Nettelbeckstraße / Am Brunen
Einer der „älteren“ Wege um das eigentliche Dorf Stiepel herum sind die heutigen Straßen Am Brunen und Nettelbeckstraße. Der ursprüngliche Verlauf ging, beginnend am (nicht mehr existierenden) Bauernhof Schulte Hoffstiepel unmittelbar neben der Dorfkirche, über den ersten Teil der heutigen Nettelbeckstraße und dann die Straße Am Brunen hoch. Der obere Teil der Nettelbeckstraße von diesem Abzweig bis zur Kemnader Straße ist im Jahr 1930 das erste Mal befestigt und kanalisiert worden, vorher war dieser Teil ein reiner Feldweg. Daher ist dieser Straßenabschnitt auf Karten vor 1930 nicht verzeichnet. In den 1950er Jahren, nach Aufgabe einiger landwirtschaftlich genutzter Flächen, ist die Straße verbreitert und weiter ausgebaut worden.
Der obere Teil der heutigen Nettelbeckstraße mit Blick auf den alten "Hof Nettelbeck". Links oben ist das als "Gaststätte Heil" bekannte Haus zu erkennen (vor 1930) Foto: F. Pieper
Seit frühester Zeit ist auch die Stichstraße gegenüber dem Haferweg in Richtung „In der Hei“ vorhanden. Hier liegt der Hof einer der ältesten Stiepeler Familien, Wefelscheid mit erster bekannter urkundlicher Nennung des Namens im Jahre 1150 (heute Nettelbeckstraße 52). Heute verbindet diese Stichstraße die Nettelbeckstraße zwar mit der später ausgebauten Straße In der Hei, ist aber teilweise Privatweg und nicht mehr für den Verkehr befahrbar. Sie reichte bis zu dem damaligen Haus Gustavstraße 22 (seinerzeitiger Anwohner Gustav Kogelheide), das heute zur Straße In der Hei gehört. Außerdem ist vielen älteren Stiepelern das an diesem Weg stehende und unter Denkmalschutz gestellte Fachwerkhaus (heute Nettelbeckstraße 54a) noch unter dem Namen der seinerzeitigen Besitzer, Familie Freese, bekannt. Auch der Bauernhof Haarmann In der Hei war über diesen Weg an das Dorf Stiepel angebunden.
Die Gustavstraße galt, neben der eigentlichen „Kirchstraße“ (heutige Gräfin-Imma-Straße), in Verlängerung der Galgenfeldstraße als Kirchweg für den Ortsteil Schrick. War die „Kirchstraße“ im Winter zum Beispiel für Trauerzüge nicht zu begehen, wurde auch von den übrigen Ortsteilen aus der Umweg über diesen Kirchweg genommen. Durch die Gemeinde Stiepel wurde der Weg im Jahr 1913 als „öffentlicher Kommunalweg“ eingestuft.
Die erste Bezeichnung „Gustavstraße“, die im Jahr 1909 vergeben wurde, lässt sich schlicht und ergreifend über den hohen Anteil des Vornamens Gustav unter den Bewohnern der Straße erklären. Anfang des letzten Jahrhunderts gab es genau 16 Häuser an der Straße. In sechs davon hieß das Familienoberhaupt Gustav, und zwar aus den Familien Hoose, Kost, Stoffer, Kogelheide, Wegmann und Murmann.

Bei der Umbenennung im Jahr 1929 im Zusammenhang mit der Eingemeindung nach Bochum wurde die Gustavstraße vom Namen her zweigeteilt in die Nettelbeckstraße und Am Brunen. Der Name Nettelbeck erinnert an die ehemaligen Eigentümer des Hofes (heute Nettelbeckstraße 14), die urkundlich das erste Mal im Jahre 1556 erwähnt werden. Dieser Hof- und Familienname lässt sich wiederum zurückführen auf die Nettelbecke, ein nicht mehr vorhandener Bach, der unmittelbar neben dem Hof seine Quelle hatte. Die Nettelbecke floss von dort westlich der Düsterstraße durch die Geländesenke an der Straße Vorm Felde und weiter in das Tal unterhalb des evangelischen Friedhofs. Die eingangs erwähnte Kanalisierung im oberen Teil der Nettelbeckstraße im Jahre 1930 erfolgte insbesondere, um die Nettelbecke unter der Straße abzuleiten, da diese wie ein Damm wirkte.
Die Herkunft des Namens Am Brunen ist nicht sicher geklärt. Die Stadt Bochum gibt in ihrer Dokumentation „Bochumer Straßennamen - Herkunft und Deutung“ Folgendes an: „Nach dem alten Hof Brune, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewirtschaftet wurde. Er lag südlich des katholischen Kindergartens an der Straße Am Brunen“. Hört sich gut an, aber: Es gab in Stiepel zu der Zeit zwar den Familiennamen Brune, er ist aber nicht als Hofname bekannt, insbesondere nicht an dieser Stelle. Die Deutung, dass der Name auf die zwischen Hof Nettelbeck und der Straße gelegenen Quelle der Nettelbecke zurückzuführen ist, lässt sich ebenfalls nicht belegen.
Im Zusammenhang mit der Straße Am Brunen muss auch der Jüdische Begräbnisplatz erwähnt werden, der gegenüber dem katholischen Kindergarten lag (Text ist der Schrift „Jüdische Friedhöfe im heutigen Bochumer Stadtgebiet“ entnommen): „Insgesamt gab es in Bochum vier jüdische Friedhöfe und einen in Wattenscheid, von denen nur der Wattenscheider Friedhof und der jüdische Friedhof an der Wasserstraße heute noch existieren. Nach mündlicher Überlieferung sollen die letzten Bestattungen auf dem Stiepeler Begräbnisplatz um 1880 herum erfolgt sein.“