Aktuelles

Stiepel unter französischer Besetzung (“Ruhrkampf” ab Januar 1923)

Die seinerzeit aus deutscher Sicht als „Ruhrkampf“ bezeichnete Besetzung des Ruhrgebiets durch französische Truppen in den Jahren 1923 – 25, in der die Franzosen Reparationsleistungen aus dem Versailler Vertrag durchsetzen wollten, scheint fast vergessen. Das Bochumer Stadtarchiv zeigte Anfang 2013 eine Dokumentation über Kampf, Beschlagnahmen, Verhaftungen, passiven Widerstand usw. in einer typischen Industriestadt wie Bochum. Auch für Hattingen als Industriestandort und -ab Januar 1923- Sitz einer französischen Division, gibt es zahlreiche Dokumente, die das Leben in der Besatzungszeit beschreiben. Doch wie sah es in einer kleinen, damals noch selbständigen Gemeinde zwischen diesen Städten aus?

Ab dem 11. Januar 1923 begann die Besetzung des gesamten Ruhrgebiets, in Stiepel erfolgte der Einmarsch am 15. Januar. In der „Hattinger Zeitung“, die auch für Stiepel berichtete, ist zu lesen: „Unsere Gemeinde ist zurzeit sehr stark mit Besatzungstruppen belegt. Ein Bataillon Infanterie, eine Maschinengewehrabteilung, eine Abteilung Artillerie und eine Kompanie Pioniere sind in hiesigen Sälen untergebracht, auch wurden durch Unteroffiziere und Offiziere viele Wohnräume mit Beschlag belegt.“ Zu den Truppen gehörten auch rund 300 Pferde. Eine andere Quelle berichtete: „Stiepel hatte ebenfalls starke Einquartierungen zu ertragen, so daß man glauben konnte, Stiepel wäre ein Fort einer großen Festung.“ Etliche Lokale, private Wohnungen und Kellerräume wurden für die Unterbringung von Truppen in Beschlag genommen. An besonderen Vorkommnissen in den ersten Wochen der Besatzung sind drei Dinge dokumentiert:

  1. Auf der Zeche „Karl Friedrich“ verweigerte Betriebsführer Berghüser die Abgabe von Briketts, worauf er verhaftet wurde. Die Franzosen luden sich dann 14 Tonnen Briketts auf,

  2. Postmeister Wiegand wurde wegen des Vorwurfs verhaftet, er habe französische Maueranschläge entfernt. Dafür verbrachte er rund zehn Tage im französischen Divisionsgerichtsgefängnis in Hattingen,

  3. die Herren Polizeiinspektor Günther und Polizeibetriebsassistent Jung wurden aus nicht bekannten Gründen verhaftet.

zu 1): Hattinger Zeitung: Betriebsführer Berghüser

zu 1): Hattinger Zeitung: Betriebsführer Berghüser

zu 2) Hattinger Zeitung: Postmeister Wiegand

zu 2) Hattinger Zeitung: Postmeister Wiegand

Insgesamt verlief die Besetzung, verglichen mit den Industriestädten des Ruhrgebiets, wohl eher harmlos ab. Die Stiepeler Gemeindevertretung konnte berichten, „daß sich die ersten Truppen in Stiepel anständig betragen hätten.“ Einigen Teilen der Stiepeler Bevölkerung -die man aus heutiger Sicht eher national orientiert bezeichnen könnte- war der Umgang mit den französischen Truppen sowohl durch die politischen Gemeindevertreter als auch durch etliche Stiepeler selber viel zu sanft und zu kooperativ. Dazu muss man sich vor Augen führen, dass in den umliegenden Städten Kämpfe und passiver Widerstand gegen die Besatzungstruppen zur Tagesordnung zählten, in Stiepel offensichtlich weniger. In drei in der Hattinger Zeitung veröffentlichten Leserbriefen ist unter anderem zu lesen: „Selbst die Bäcker gehen zum Teil in ihrer Profitgier soweit, fast nur noch Weißbrot und bessere Backwaren herzustellen, die von den Be­satzungstruppen reißend abgenommen werden. Auch Landwirte gedenken in dieser Zeit Geschäftchen machen zu können, indem sie Eier, Speck und Geflügel an die Besatzung verkaufen.“ „Mit Verachtung sieht und hört man, daß hier in Stiepel so viele Frauen die Wäsche- und Kleidungsstücke für die Franzosen waschen.“

Hattinger Zeitung: "Eingesandt"

Hattinger Zeitung: “Eingesandt”

Hattinger Zeitung: "Eingesandt"

Hattinger Zeitung: “Eingesandt”

Der Großteil der französischen Truppen verließ Stiepel bereits Ende März 1923, restliche Einheiten am 15. Juni 1923. Die Hattinger Zeitung schrieb dazu am 9. April 1923: „Das Königreich Stiepel ist von der französischen Infanterie geräumt. Desgleichen ist der Abmarsch der übrigen Truppen am Karfreitag erfolgt. Damit wird den Ausflüglern und Spaziergängern Gelegenheit geboten, wieder die Stiepeler Alpenluft in früherer Weise zu genießen. Die Lokale sind wieder frei.“

Hattinger Zeitung vom 9. April 1923: "Das Königreich ist geräumt ..."

Hattinger Zeitung vom 9. April 1923: “Das Königreich ist geräumt …”

Was allerdings auch nach diesem Datum blieb, war die Ausweispflicht, verbunden mit nächtlichen Ausgangssperren, sowie die Sperrung der Kosterbrücke und die Beschlagnahme der Fähren, sowohl bei Diergardt als auch an Haus Kemnade. Da hier in Stiepel die Ruhr die Grenze des besetzten Gebietes und darüber hinaus eine Zollgrenze für den Güterverkehr in das und aus dem besetzten Ruhrgebiet darstellte, war der freie Verkehr stark eingeschränkt. Die Besetzung des Ruhrgebiets endete im Juli/August 1925.

Personal-Ausweis aus der Besatzungszeit, ausgestellt am 25. Januar 1923 für Luise Haarmann, verlängert am 4. Februar 1924 sowie erneut am 30. Mai 1925.

Personal-Ausweis aus der Besatzungszeit, ausgestellt am 25. Januar 1923 für Luise Haarmann, verlängert am 4. Februar 1924 sowie erneut am 30. Mai 1925.

Sperrung der Kosterbrücke und Beschlagnahme der Fähren, (auch bei Haus Kemnade, die Kemnader Brücke wurde erst 1928 fertiggestellt)

Sperrung der Kosterbrücke und Beschlagnahme der Fähren, (auch bei Haus Kemnade, die Kemnader Brücke wurde erst 1928 fertiggestellt)

Auszüge aus der “Hattinger Zeitung” mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs Hattingen

Eine kleine Chronik der Ereignisse

Datum

Ereignis

Quelle

15. Januar 1923

Am Montag, dem 15. Jan., nachmittags gegen ½ 3 Uhr rückten die ersten Franzosen auch in Stiepel ein. Unter den Ruhrgemeinden hat außer Herbede und Baak wohl Stiepel am meisten unter der Last der Franzosen zu leiden gehabt. Im Dorf liegen z.Z. Pioniere und Infanterie. Auf der Haar im Gemeindehaus und in der Wohnung des Pfarrers Joachim, ist eine Maschinengewehr-Kompanie untergebracht worden. Beim Wirt Gustav Hoffstiepel an der Kosterbrücke liegt seit einigen Tagen Infanterie. Beim Wirt Frische ist Artillerie einquartiert worden. Im Ganzen sind zur Zeit in Stiepel an Besatzungstruppen untergebracht: Ein Bataillon Infanterie, eine Maschinengewehrabteilung, eine Abtei­lung Artillerie und eine Kompanie Pioniere. Viele hiesige Säle wurden für die Mannschaften und viele Wohnräume für Offiziere und Unteroffiziere mit Beschlag belegt.

15. Januar 1923

Die Gemeinden Stiepel und Herbede hatten aufgrund ihrer strategischen Lage gleich vom 15. Januar an größte Einquartierungslasten zu tragen.

22. Januar 1923

Der Einbruch der französischen Truppen in das Ruhrgebiet hat auf unsere Gemeinde eine drückende Besetzung gebracht und die Gemeindevertretung fühlt das Bedürfnis, sich über alle Sorgen, die mit dieser Besatzung zusammenhängen, auszusprechen. Der Amtmann erläutert die von der Verwaltung getroffenen Maßnahmen, die sich im Einklang mit den von den deutschen Staatsbehörden gegebenen Richtlinien befinden. Wünsche, die die Gemeindevertretung vorbringt, die im Interesse der Bevölkerung liegen, sollen möglichst berücksichtigt werden.

28. Januar 1923

Unsere Gemeinde ist zurzeit sehr stark mit Besatzungstruppen belegt. Ein Bataillon Infanterie, einen Maschinengewehrabteilung, eine Abteilung Artillerie und eine Kompanie Pioniere sind in hiesigen Sälen untergebracht, auch wurden durch Unteroffiziere und Offiziere viele Wohnräume mit Beschlag belegt.

29. Januar 1923

Da das in der Gemeinde vorhandene wenige Stroh von den Landwirten zu Futterzwecken verwendet werden muß, soll für die Besatzung ein Waggon Stroh angekauft werden.

18. Februar 1923

Auf der Zeche „Karl Friedrich“ in Stiepel (Deutsch-Lux) erschien Freitag früh ein französisches Kommando und verlangte die Abgabe von Briketts. Betriebsführer Berghüser verweigerte sie, worauf er verhaftet wurde. Die Franzosen luden sich dann 14 Tonnen Briketts auf. Die Belegschaft drohte, in einen Streik einzutreten. Nach dem Verhör des Betriebsführers in Weitmar wurde er wieder freigelassen. Bis auf weiteres sind damit Schritte der Belegschaft erledigt.

22. Februar 1923

Vorgestern abend wurde Herr Postmeister Wiegand von den Franzosen verhaftet. Ihm wird die Entfernung von französischen Maueranschlägen zur Last gelegt, jedoch handelt es sich nach Darstellung des Herrn Wiegand lediglich um Flugblattfetzen, die er entfernt hat. Die erste Nacht mußte Herr Wiegand in einem Keller bei Frische zubringen. Speisen von den Franzosen anzunehmen, lehnte er ab, worauf der Sohn die Erlaubnis erhielt, dem Vater Essen zu bringen. Gestern morgen wurde Herr Wiegand von den Franzosen nach Weitmar und von dort später nach Hattingen gebracht, wo er sich nun im französischen Divisionsgerichtsgefängnis im neuen Rathause befindet.

01. März 1923

Herr Postmeister Wiegand von hier wurde gestern nachmittag ganz unerwartet wieder auf freien Fuß gesetzt. Er ist seit dem 19. Februar ds. Jrs. in Hattingen in Haft gewesen.

01. März 1923

Den Mitgliedern der Freiwilligen Feuerwehr zur Kenntnis, daß die Besatzung unser Spritzenhaus mit Beschlag belegt und unsere Geräte auf den Schulhof gestellt hat. Infolgedessen sieht sich die Wehr, will sie ihrer guten Sache weiter dienen, gezwungen, bei einem etwaigen Brande auf dem Hofe des Landwirts Heinrich  Strunk, Haarstr., anzutreten woselbst unsere Geräte bei Herrn Paul Monstadt notdürftig unter­gebracht sind.

09. April 1923

Das „Königreich“ Stiepel ist von der französischen Infanterie geräumt. Desgleichen ist der Abmarsch der übrigen Truppen am Karfreitag erfolgt. Damit wird den Ausflüglern und Spaziergängern Gelegenheit geboten, wieder die Stiepeler Alpenluft in früherer Weise zu genießen. Die Lokale sind wieder frei.

11. April 1923

Antrag der Stadt Hattingen auf Beteiligung an den Kosten für die Verpflegung der von den Besatzungs­truppen Inhaftierten … Vor Eintritt in die Tagesordnung teilt der Vorsitzende [Anm.: Amtmann Thiel] mit, was freilich schon allgemein bekannt, daß die Franzosen am 29. März Herrn Polizeiinspektor Günther und in der Nacht vom 1. zum 2. April ds. Js. Herrn Polizeibetriebsassistent Jung verhaftet haben. Welche Gründe zur Verhaftung des Polizeiinspektors geführt haben, hat bis heute nicht ermittelt werden können.

30. April 1923

Der Verkehr über die Ruhr ist sowohl an der Kost (Kosterbrücke), als auch an den Ruhrfähren gesperrt, letzterer durch Beschlagnahme der Kähne von französischer Seite. Wer in unserem engeren Bezirk die Ruhr passieren muß, und die Zahl der täglichen Passanten ist groß, ist auf die Ruhrbrücke in Winz angewiesen. (Die Sperre dauert bis zum 6. Mai).

14. Mai 1923

Ab 14. Mai verlangten die Kontrollposten an der Ruhrbrücke von Personen, die in das besetzte Gebiet nördlich der Ruhr –also in das Gebiet innerhalb der offiziellen Zollgrenze- reisen wollten, Erlaubnisscheine der örtlichen Besatzungsbehörden. Mit Wirkung vom 19. Mai benötigte jeder Reisende, der das besetzte Gebiet nördlich der Ruhr verlassen wollte, einen französischen Sichtvermerk in Form eines Stempels. … Bereits ab 6. März gab es neue Bestimmungen für die Einreise in das besetzte Gebiet. Danach genügte nicht mehr eine Ausweiskarte gleich welcher Art, sondern nur noch ein Reisepass oder ein Ausweis mit Photo des Inhabers. … Ende Mai beschlagnahmten die Franzosen ohne vorherige Bekanntgabe die Fahrräder der Personen, die die Ruhrbrücke passieren wollten.

12. Juni 1923

Bei der seit dem 28. April gesperrten Kosterbrücke gab es ab 12. Juni eine Erleichterung, als die Brücke für den Personenverkehr in der Zeit von 5 Uhr bis 20 Uhr freigegeben wurde. Autos und Fahrräder mussten aber weiterhin die Hattinger oder Herbeder Ruhrbrücke passieren, wollten sie das nördliche Ruhrufer erreichen

15. Juni 1923

Erleichterungen gab es für die Stiepeler Bevölkerung zum Osterfest. Die Kompanie Pioniere, die Artillerie und Maschinengewehrabteilungen verließen Karfreitag (30.3.) den Ort. Die restlichen Truppen wurden aber erst am 15. Juni aus Stiepel abgezogen.

Juli/ August 1925

Ende der Besetzung

Quellen:

  1. Schulchronik der Schule Stiepel-Dorf
  2. Harri Petras: Der Ruhrkampf im Spiegel der Ereignisse im Hattinger Raum, Hattinger Heimatkundliche Schriften, Band 2
  3. Protokolle der Stiepeler Gemeindevertretung
  4. Hattinger Zeitung, Rubrik “Aus der Heimat”

August Rautenberg (1886 – 1957)

August Rautenberg (*Hörde 28.04.1886, +Stiepel 16.04.1957) wurde in Hörde bei Dortmund geboren und wuchs in Welper auf, wo der Vater als Schmied auf der Henrichshütte arbeitete. Dort erlernte er ebenfalls das Schmiede- und Dreherhandwerk, 1911 trat er der „Freien Gewerkschaft“ bei.

Da er sich nach seiner Ausbildung weiterbildete und politisch aktiv wurde, erreichte er es, dass ihn die Amtsverwaltung Blankenstein im Mai 1920 zum Beigeordneten ernannte. Dadurch wurde er ab 1920 zum Mitglied des Deutschen Gemeindetags und ab 1921 zum Mitglied des Deutschen Landkreistags. Darüber hinaus war er Mitglied des Hauptausschusses und des Präsidiums des Preußischen Landgemeindetags West.

Welche genauen Umstände ihn von Welper nach Stiepel verschlugen, ist nicht bekannt. Zumindest wohnte er nach 1922 in der Straße Am Vormbrock in Haus Nr. 4. Dort sollte er bis zu seinem Tod 1957 wohnen bleiben. Wie an anderer Stelle ausführlicher geschildert, errichtete die Gemeinde Stiepel am Vormbrock in den Jahren 1922 – 1924 eine von insgesamt drei kleinen Siedlungen, um der nach dem 1. Weltkrieg aufkommenden Wohnungsnot zu begegnen. Da mit diesen Maßnahmen der Wohnungsbedarf in Stiepel nicht gedeckt war, wuchs innerhalb der Bevölkerung der Gedanke, eine Baugenossenschaft ins Leben zu rufen. Unter Beteiligung der Gemeinde Stiepel wurde daher am 3. Mai 1925 die Baugenossenschaft „Heimat“ gegründet. Einer der 25 Gründungsmitglieder war August Rautenberg, mittlerweile aktiver Sozialdemokrat und Gewerkschafter. In der Gründungsversammlung wurde ein fünfköpfiger Vorstand gewählt, zu seinem Vorsitzenden wurde August Rautenberg benannt.

In Stiepel war er neben seinem Engagement für die Baugenossenschaft „Heimat“ in den 1920er Jahren als Mitbegründer des Arbeiterwohlfahrt-Ortsverbands bekannt.

August Rautenberg, 1920

August Rautenberg, 1920er Jahre

August Rautenberg (Mitte, ganz links) mit einem Ausflug der Arbeiterwohlfahrt Stiepel, 1920

August Rautenberg (Mitte, ganz links) mit einem Ausflug der Arbeiterwohlfahrt Stiepel , 1920er Jahre

Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 wurde er aus allen Ämtern gedrängt. In der Mitgliederversammlung der Stiepeler Baugenossenschaft vom 24. Juni 1933 traten -bedingt durch den politischen Druck- die bisherigen Vorstandsmitglieder sowie der gesamte Aufsichtsrat zurück, um Neuwahlen durchführen zu können. Neuer Vorsitzender der Baugenossenschaft wurde ein Beamter der Stadt Bochum (Stiepel wurde im Jahr 1929 nach Bochum eingemeindet), der zugleich NSDAP-Mitglied war.

Innerhalb des Amtes Blankenstein musste er seine Ämter ebenfalls aufgeben. Ein Beschluss der Amtsversammlung vom 3. Juli 1934 sorgte sogar dafür, dass er keine Pensionsbezüge erhielt. Für das Familieneinkommen mussten in dieser Zeit seine beiden Kinder sorgen. Es wird überliefert, dass er mehrfach verhaftet, körperlich misshandelt und im Blankensteiner Krankenhaus gesund gepflegt wurde. 1939 konnte er eine Anstellung bei der Berufsgenossenschaft in Bochum finden.

Nach dem Krieg konnte er sofort wieder politisch aktiv werden. Am 2. Mai 1945 wurde er in Blankenstein als Amtsbürgermeister eingesetzt und 1946 zum Amtsdirektor des Amtes Blankenstein berufen. Er bekleidete bis zu seinem Ruhestand 1954 zahlreiche Ämter, u.a. als Vorsitzender des Landgemeinderats Westfalen oder als Mitglied des kommunalpoli­tischen Beirats der SPD. Ab 1946 war er Mitglied des Aufsichtsrats der Vereinigten Elektrizitätswerke Westfalen AG (VEW), auch wurde ihm das Bundesverdienstkreuz verliehen. Zahlreiche kommunale Ehrenämter gesellten sich dazu, zum Beispiel als Vorsitzender des Gemeinde-Unfall-Versicherungs-Verbandes Westfalen.

In Stiepel fand die erste Mitgliederversammlung der Baugenossenschaft „Heimat“ nach dem Krieg am 12. August 1945 statt. Sie wählte einen neuen Aufsichtsrat, dieser wiederum bestellte in seiner Sitzung am 2. September 1945 einen fünfköpfigen Vorstand mit dem erneuten Vorsitzenden August Rautenberg.

Am 16. April 1957 starb August Rautenberg, kurz vor Vollendung seines 71. Lebensjahres, in seiner Wohnung in Stiepel. Trauerfeier und Beisetzung fanden in Welper statt, damalige Zeitungen berichten, dass es die größte Beisetzung der Nachkriegszeit im Hattinger Raum war.

In Würdigung seiner Verdienste für die Bau­genossenschaft „Heimat“ in Stiepel wurde auf deren Antrag im Januar 1959 der obere Abzweig der Flaßkuhlstraße in „Rautenbergstraße“ umbenannt.

Im April 1956 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde Welper ernannt, dort gibt es ebenfalls eine nach ihm benannte August-Rautenberg-Straße.

(Mit freundlicher Unterstützung des Stadtarchivs Hattingen und der Baugenossenschaft “Heimat” Bochum-Stiepel eG)

Gerhard Gilbert (1886 – 1971) – der erste Arzt in Stiepel

Im November 2012 hat die Bezirksvertretung Süd beschlossen, die neue Erschließungsstraße zwischen Kemnader- und Surkenstraße zur Erinnerung an den ersten niedergelassenen Stiepeler Arzt „Dr.-Gilbert-Weg“ zu nennen, im September 2014 wurde das neue Straßenschild durch den Bezirksbürgermeister offiziell enthüllt.

Dr. Gilbert-Weg

Dr. Gilbert-Weg

Aus heutiger Sicht mag das nicht als etwas Besonderes erscheinen, einen Arzt im Stadtteil zu haben. Stiepel zählt heute rund 12.000 Einwohner, mit einer guten Versorgung an Ärzten und Zahnärzten. Bis zum Beginn des letzten Jahrhunderts sah das allerdings anders aus. Bis 1919, Stiepel hatte zu dieser Zeit immerhin schon rund 6.500 Einwohner, gab es nicht einen einzigen Arzt vor Ort. Versorgt wurden die Stiepeler Bürger von Ärzten aus Blankenstein, Weitmar und Wiemelhausen. Für die war es nicht immer leicht, zu ihren Patienten nach Stiepel zu kommen, insbesondere nicht für den zu jener Zeit aus Blankenstein kommenden, von der Gemeindevertretung gewählten Armenarzt. Die Kemnader Brücke wurde erst im Juni 1928 eingeweiht, so dass der Arzt sich mit der Fähre Diergardt über die Ruhr setzen lassen musste, bei Hochwasser musste der Umweg über Welper und die Kosterbrücke genommen werden. Was das für Notfälle bedeutete, kann man sich leicht vorstellen.

Dr. med. Gerhard Gilbert (1957), Foto: Ingeborg Hofmann-Credner

Dr. med. Gerhard Gilbert (1957), Foto: Ingeborg Hofmann-Credner

Die Sprechstunden durch die angereisten Ärzte wurden überwiegend in den Räumlichkeiten der Wirtschaft „Frische“ abgehalten, es wurden aber auch weitere Wirtschaften beansprucht. Nach langjährigen Verhandlungen mit dem Allgemeinen Knappschaftsverein in Bochum wurde dieser Notstand in der ärztlichen Versorgung anerkannt. In der Stiepeler Schulchronik des Jahres 1919 ist zu lesen: „ … Soll aber ein in Stiepel wohnender Arzt existenzfähig sein, so ist es nötig, daß er auch die hier wohnenden Bergleute, deren Zahl sich auf etwa eintausendvierhundert beläuft, zu behandeln hat. Endlich … sollten die Wünsche der Stiepeler Gemeindeeingesessenen in Erfüllung gehen … in dem Herrn Dr. Gilbert, der sich am 1. Dezember 1919 in Stiepel als praktischer Arzt niedergelassen hat, die Verwaltung des hiesigen Knappschaftssprengels übertragen wurde.“

In der ehemaligen Schankwirtschaft "Zur steilen Höh" befanden sich die ersten festen Praxisräume, Foto: Sammlung Willi Dickten

In der ehemaligen Schankwirtschaft “Zur steilen Höh” befanden sich die ersten festen Praxisräume, Foto: Sammlung Willi Dickten

Hans Frithjof Gerhard Gilbert, am 21. Januar 1886 in Gaarden bei Kiel geboren, studierte ab März 1907 zunächst an der Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin (heute Humboldt-Universität), später dann an der Kaiser-Wilhelms-Akademie in Berlin, die ihren Schwerpunkt in der militärärztlichen und -chirurgischen Ausbildung hatte und der er bis zum 1. März 1912 angehörte. Im Anschluss daran wurde er zum Unterarzt beim Oldenburgischen Infanterie-Regiment 91 ernannt und zunächst ein Jahr lang an der Berliner Charité eingesetzt. Im August 1913 erhielt er dort seine Approbation und wurde anschließend als Assistenzarzt, später Oberarzt, in sein Regiment berufen. Seine Dienstzeit umfasste auch den 1. Weltkrieg. Wann genau er nach Stiepel kam, ist nicht bekannt. Es ist aber überliefert, dass er aufgrund enger Kontakte innerhalb einer Burschenschaft zu einem Bochumer Arzt, Herrn Dr. Carl Brüggemann, den Weg in unsere Region fand. Im Jahr 1916 hat er sich verlobt mit Cornelia zur Oven Krockhaus. Deren Vater war der Ingenieur Friedrich zur Oven Krockhaus, Eigentümer des Krockhaus-Hofes an der gleichnamigen Straße und in den Jahren 1895 – 1919 Gemeindevorsteher in Stiepel. Gerhard Gilbert und Cornelia zur Oven Krockhaus heirateten am 15. Mai 1918 und wohnten zunächst im (schwieger-) elterlichen Haus, dem immer noch als Krockhaus-Villa bekannten Gebäude. Heute ist dies Krockhausstraße 7, seinerzeit Hertastraße 1.

Seinen Doktortitel hat Gerhard Gilbert von der damaligen Friedrich-Wilhelm-Universität in Berlin im März 1919 verliehen bekommen .

Am 1. Dezember 1919 ließ sich Dr. Gilbert, wie oben bereits aus der Schulchronik zitiert, als praktischer Arzt in Stiepel nieder. Seine Sprechstunden hielt er anfangs in der ehemaligen Schule an der Ecke Kemnader-/Krockhausstraße, aber auch in Gaststätten ab, und zwar wechselweise in „Haus Frische“ und bei „Westermann“. Später praktizierte er im Hause Gräfin-Imma-Straße 12 (heutige Anschrift). An dieser Stelle stand die „Schankwirtschaft zur steilen Höh“. Das ursprüngliche Haus ist im Juni 1912 abgebrannt und wurde während des 1. Weltkriegs in der noch heute bestehenden Form neu errichtet. Die Räumlichkeiten dienten Dr. Gilbert dann als erste feste Praxis­räume in Stiepel.

Im Januar 1920 wurde er durch die Stiepeler Gemeindevertretung in den nach dem 1. Weltkrieg neu gegründeten „Wohlfahrtsausschuß“ gewählt, ab April 1920 stellte ihn die Gemeinde Stiepel auch als Schularzt an, wobei er für jedes untersuchte Kind zwei Mark Honorar bekam. Er war bis 1956 als Knappschaftsarzt im Dienst, danach zog er in sein neben der bisherigen Praxis neu errichtetes Haus (heutige Anschrift: Gräfin-Imma-Straße 10) und praktizierte dort noch einige Jahre weiter. Seine Nachfolge als Knappschaftsarzt trat Dr. med. Hans Rath an.

Überliefert sind die unermüdliche Einsatzbereitschaft und sein humorvolles Wesen, weswegen die Stiepeler „ihren“ Doktor so liebten. Gerhard Gilbert verstarb am 3.3.1971 in Stiepel.

Dr. Gilbert-Weg - Strasseneinweihung

Dr. Gilbert-Weg – Strasseneinweihung

Im Sonderfeld

Eine der wenigen Straßen in Stiepel, die bereits vor Einführung von offiziellen Straßennamen (im Jahr 1909) eine Bezeichnung getragen hat, die sie im Zuge der Eingemeindung nach Bochum (im Jahr 1929) wieder erhalten hat: Im Sonderfeld. Zwischendurch, von 1909 bis 1929, hieß sie Gartenstraße.

Rund um das Stiepeler Dorf gibt es fünf Fluren bzw. Flurbezeichnungen, die auf “-feld” enden, eingezeichnet findet man sie das erste Mal im sog. Urkataster aus dem Jahr 1823. Drei von Ihnen sind bis heute in Straßennamen verewigt: das Galgen-, Unter- und Sonderfeld. Die Lage dieser Fluren war genau dort, wo sich heute die gleichnamigen Straßen befinden. Die übrigen zwei Fluren sind dagegen in Vergessenheit geraten: das Achter- und Osterfeld. Die Flur “Achterfeld” kann man in etwa östlich der heutigen Kemnader Straße an den Hängen in Richtung zur Ruhr lokalisieren, das ausgedehnte “Osterfeld” findet sich ebenfalls östlich der Kemnader Straße rund um die Oveneystraße. Diese wurde übrigens -wegen der Himmelsrichtung- schon lange vor Einführung von Straßennamen entsprechend Osterstraße genannt.

Zur Herkunft der Flurbezeichnung “Sonderfeld” vermutet Robert Jahn in seinem Aufsatz “Die Flurnamen des Amtes Blankenstein” aus dem Jahr 1927, dass es sich um ein aus der allgemeinen Nutzung “ausgesondertes” Stück Land handelt. Seinerzeit war die Parzellierung der landwirtschaftlichen Flächen recht kleinteilig. Einige Parzellen unmittelbar entlang der Straße sind im Urkataster mit der Bezeichnung “Sunderfeldsgarten” eingetragen, der erste im Jahr 1909 vergebene Straßenname “Gartenstraße” dürfte daran angelehnt sein.

Als historisch bedeutendes Gebäude liegt am unteren Ende der Straße das ehemalige Pfarrhaus bzw. Pastorat. Siehe dazu auch der eigene Artikel unter “Bauwerke” auf dieser Seite. Das Gebäude liegt zwar etwas verborgen, ist aber bei einem Spaziergang durch den sog. Pastorssiepen südlich des alten Friedhofs gut zu sehen.

Auf der Gemarkungskarte von 1884 bereits als "Sonderfeldstraße" bezeichnet (blau markiert: das Pastorat)

Auf der Gemarkungskarte von 1884 bereits als “Sonderfeldstraße” bezeichnet (blau markiert: das Pastorat)

Ein seit Jahren eingezäunter Tagesbruch vor der Kulisse des Sonderfelds und Burg Blankenstein

Ein seit Jahren eingezäunter Tagesbruch vor der Kulisse des Sonderfelds und Burg Blankenstein

Von der Bergbauvergangenheit Stiepels zeugt im Sonderfeld der seit gut 10 Jahren eingezäunte Tagesbruch nahe der Kemnader Straße. Dieser rührt von Untertagearbeiten der Kleinzeche St. Barbara, die in den Jahren 1951 – 1965 aktiv war, wie überhaupt ein Großteil der Bergbauaktivitäten in Stiepel mit 58 Betrieben in die Nachkriegszeit fällt. Es ist zu vermuten, dass an dem Tagesbruch niemals etwas saniert werden wird. Für das Grubenfeld Schiffsruder, in dem der Abbaubetrieb lag, wurde seinerzeit ein sog. Bergschädenverzicht vereinbart. Das heißt, der seinerzeitige Eigentümer erhielt unter anderem zur Abgeltung dieses Verzichts einen sog. Förderzins je geförderter Tonne Kohle (Informationen entnommen aus “Bochumer Zechen – Eine Datensammlung 1620 – 1974”). Das ehemalige Verwaltungsgebäude der Kleinzeche dient heute mit der Bezeichnung Barbaraheim dem Sauerländischen Gebirgsverein als Vereinsheim.

Voßkuhlstraße

Die Voßkuhlstraße in früheren Zeiten als „Straße“ zu bezeichnen – das ist hoch gegriffen. Sie war eher ein typischer Stiepeler Feldweg, der im Zuge der Bebauung in den letzten Jahrzehnten erst zur Straße ausgebaut wurde.

Auf der Preußischen Gemeindekarte aus dem Jahr 1824 ist das Gebiet noch komplett bewaldet. Das Stiepeler Urkataster aus demselben Jahr weist einen Bereich, der nahezu identisch ist mit der heutigen Parzellierung und Bebauung, als „Busch“ im Besitz von „v Syberg“ aus. Die Fläche wird mit 32 Morgen 136 Ruten angegeben, was einer Größe von 83.624 m² entspricht. Die Familie von Syberg war von 1647 bis 1847 der adelige Lehnsherr des Hauses Kemnade und hat nach der sogenannten Markenteilung 1786 einen Teil der Stiepeler Mark als Eigentum erhalten.

Schon im Urkataster findet sich als Flurbezeichnung für diesen Teil des Waldes der Begriff „auf der Voßkuhl“, was auch den gesamten Siepen einbezog. Die Bedeutung „Fuchsloch“ scheint naheliegend. Mit dem alten Stiepeler Familiennamen Voßkuhl hat die Bezeichnung aber nichts zu tun, da dieser Name nur mit einem Hof in Stiepel-Dorf in Verbindung gebracht werden kann.

Auf der Stiepeler Flurkarte aus dem Jahr 1878 sind auf dem Gebiet des ehemaligen Syberg’schen Busches 23 Parzellen mit 18 Gebäuden eingezeichnet. Der Weg, der über die quer zur Straße verlaufenden Grundstücke ging, war bis 1928 ein sogenannter Interessentenweg (= Privatweg). Übrigens entsprach der Verlauf der Surkenstraße in diesem Bereich der heutigen Straße „In den Hegen“.

Einem Rechtsstreit aus dem Jahr 1906 ist zu entnehmen, dass die Straßenbezeichnung „Voßkuhle“ schon vor der Einführung der offiziellen Straßennamen im Jahr 1909 gebräuchlich war. Die alte Flurbezeichnung wurde im Volksmund übernommen. Im besagten Rechtsstreit, in dem von der „Straße vom Surkenweg nach der Voßkuhle“ gesprochen wird, streiten sich die Anwohner mit der Gemeinde Stiepel über den Zustand der eher als Feldweg zu beschreibenden Straße und deren Instandsetzung. In einem Zeitungsbericht aus dem „Volksblatt“ vom 10. Januar 1906 ist zu lesen: „Wie schlecht es mit den Wegeverhältnissen hier ist, zeigt folgender Vorfall: Am 5. ds. Mts. versuchte ein Bierfuhrwerk über die Voßkuhle zu fahren. Der Weg war aber infolge des Regens so durchweicht, daß der Wagen tief im Morast stecken blieb, sodaß er ohne fremde Hilfe sich nicht frei machen konnte…“.

Handskizze der Straße aus einem Rechtsstreit 1906: in deutscher Schrift ist „Voßkuhle“ zu lesen.

Handskizze der Straße aus einem Rechtsstreit 1906: in deutscher Schrift ist „Voßkuhle“ zu lesen.

Viele der heute öffentlichen Wohn- und Durchgangsstraßen Stiepels waren lange Zeit Privatwege. Erst am 1. Juni 1928 hat der Wegeausschuss der Gemeinde Stiepel die „… Übernahme von 19 Privatwegen in die Gemeindeunterhaltungspflicht“ beschlossen, darunter auch die Voßkuhlstraße. Nach der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 ist dieser Straßenname -als einer der wenigen- bestehen geblieben.

„Restauration zur frischen Quelle“ ca. 1915, heute Voßkuhlstraße Nr. 3, Foto: Archiv W. Dickten

„Restauration zur frischen Quelle“ ca. 1915, heute Voßkuhlstraße Nr. 3, Foto: Archiv W. Dickten

Zwei Gebäude an der Straße sind besonders zu erwähnen: die ehemalige Schule, die im Jahr 1909 errichtet wurde, sowie die Wirtschaft, die schon vor 1890 von Familie Hellmich betrieben wurde, etwa ab 1905 dann von Schreinermeister Freese.

Surkenstraße

Die Surkenstraße ist in ihrer Funktion als Verbindungsweg zur Gemeinde Querenburg schon auf Karten vor 1800 eingezeichnet. Eine Bebauung längs der Straße gab es zu dieser Zeit nicht. Noch auf der Stiepeler Gemeindekarte aus dem Jahr 1879 sind an der Straße lediglich vier Häuser dargestellt.

Von der Kemnader Straße kommend war der Verlauf zwischen der „Talsohle“ und der Einmündung Voßkuhlstraße zunächst ein anderer, und zwar mit einem Knick nach Osten über die heutige Straße „In den Hegen“. Der Ausbau des heutigen Verlaufs in diesem Teilstück erfolgte vermutlich im Jahr 1902.

Schon im Stiepeler Urkataster aus dem Jahr 1823 findet sich die Flurbezeichnung „Im Surken“. Das Wort stammt aus dem Mittelniederdeutschen und bedeutet Sauerampfer. Als „Sauergrasstelle“ beschreibt R. Jahn im Jahr 1926 in seinem Aufsatz „Die Flurnamen des Amtes Blankenstein“ den Bereich und ergänzt: „… beginnt jenseits der Surkenstraße ein Sumpfgebiet: Im Sumpf, Im Surken …“.

Die Surkenstraße auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren, Blick nach Süden in Richtung der heutigen Kemnader Straße. Verdeckt durch die vorderen Häuser liegt der im Text beschriebene Steinbruch.

Die Surkenstraße auf einer Postkarte aus den 1920er Jahren, Blick nach Süden in Richtung der heutigen Kemnader Straße. Verdeckt durch die vorderen Häuser liegt der im Text beschriebene Steinbruch.

Bereits vor Einführung der Straßennamen im Jahr 1909 wurde die Straße im Volksmund „Surkenweg“ genannt, von Seiten der Gemeinde auch schon mal „Weg von Rumberg nach Grenze Querenburg“. Mit Rumberg ist dabei die ehemalige Wirtschaft an der Ecke Kemnader-/Surkenstraße gemeint, in der bis vor einigen Jahren eine EDEKA-Filiale untergebracht war und die früher in einem Anbau das Haushaltswarengeschäft Kestermann beherbergte. Nach der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 hat die Surkenstraße als eine der wenigen Stiepeler Straßen ihren Namen behalten. Zusätzlich ist die ehemalige Georgstraße, die Stichstraße in der Kurve zum Haarmannsbusch, von der Namensgebung her der Surkenstraße zugeschlagen worden.

Die frühere Georgstraße verlor 1929 den eigenen Namen und wurde in die Surkenstraße integriert.

Die frühere Georgstraße verlor 1929 den eigenen Namen und wurde in die Surkenstraße integriert.

Am Beginn der Surkenstraße: die Wirtschaft von Emil Rumberg, Ende der 1920er Jahre (Restaurant zur Post)

Am Beginn der Surkenstraße: die Wirtschaft von Emil Rumberg, Ende der 1920er Jahre (Restaurant zur Post)

Eines der bekanntesten Häuser an der Straße dürfte das ehemalige Fahrradgeschäft Kosthaus sein. August Heinrich Kosthaus (*1872) hat das Haus im Jahr 1898 erworben und ist sogleich mit dem Handel von Haushaltswaren gestartet. Dessen Sohn Heinrich (*1903) hat das Sortiment um Motorfahrzeuge und Fahrräder erweitert. Das Geschäft existierte bis Anfang der 1990er Jahre. Über dem Haus lag ein Steinbruch, der zum Hof Monstadt (Haarstraße) gehörte und in den 1950er Jahren als Bauland verkauft wurde.

Motorfahrzeuge, Fahrräder und Haushaltswaren bei Kosthaus in den 1940er Jahren

Motorfahrzeuge, Fahrräder und Haushaltswaren bei Kosthaus in den 1940er Jahren

Erwähnt werden sollte auch die Wirtschaft “Im Surken”, vielen noch bekannt als “Haarmann-Höltermann”. Im Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1891 ist unter der Adresse Haar 1 1/8 “Höltermann Georg Witwe, Händlerin und Wirthin“ verzeichnet, ab 1904 dann „Ludwig Haarmann, Wirt & Bäcker“. Die Wirtschaft wurde bis 1995 betrieben, zuletzt durch die Inhaberin Roßbach, und war Vereinslokal des Knappenvereins “Glück Auf”. Die Bäckerei auf der Rückseite des Hauses war für ihr Schwarzbrot berühmt.

Rautenbergstraße

Nach dem 1. Weltkrieg begann die Gemeinde Stiepel, der aufkommenden Wohnungsnot durch den Bau von Wohnungen auf gemeindeeigenen Grundstücken zu begegnen. In den Jahren 1922 – 1924 entstanden erste Siedlungen an der Finkenstraße (heute Kosterstraße), Vorm Brock (heute Am Vormbrock) und Auf der Egge. Da mit diesen Maßnahmen der Wohnungsbedarf in Stiepel nicht gedeckt war, wuchs innerhalb der Bevölkerung der Gedanke, eine Baugenossenschaft ins Leben zu rufen.

Unter Beteiligung der Gemeinde Stiepel wurde am 3. Mai 1925 die Baugenossenschaft „Heimat“ gegründet. Einer der 25 Gründungsmitglieder war August Rautenberg (*Hörde 28.04.1886, +Stiepel 16.04.1957), ein aktiver Sozialdemokrat und Gewerkschafter. In der Gründungsversammlung wurde ein fünfköpfiger Vorstand gewählt, zu seinem Vorsitzenden wurde August Rautenberg benannt. Die Gemeinde Stiepel brachte anschließend ihre drei zuvor errichteten Siedlungen in die Baugenossenschaft ein.

Im Vordergrund die zuvor gemeindeeigene Siedlung Kosterstraße, im Hintergrund die Häuser an der Rautenbergstraße (Blick um 1930 von der katholischen Kirche / Kloster in Richtung Süden) Foto: Archiv W. Dickten

Im Vordergrund die zuvor gemeindeeigene Siedlung Kosterstraße, im Hintergrund die Häuser an der Rautenbergstraße (Blick um 1930 von der katholischen Kirche / Kloster in Richtung Süden) Foto: Archiv W. Dickten

In der Mitgliederversammlung vom 24. Juni 1933 traten die bisherigen Vorstandsmitglieder sowie der gesamte Aufsichtsrat zurück, um -aufgrund politischen Drucks während des Nationalsozialismus- Neuwahlen durchzuführen. Neuer Vorsitzender der Baugenossenschaft wurde ein Beamter der Stadt Bochum (Stiepel wurde im Jahr 1929 nach Bochum eingemeindet), der zugleich NSDAP-Mitglied war. Nach dem Krieg fand die erste Mitgliederversammlung am 12. August 1945 statt. Sie wählte einen neuen Aufsichtsrat, dieser wiederum bestellte in seiner Sitzung am 2. September 1945 einen fünfköpfigen Vorstand mit dem erneuten Vorsitzenden August Rautenberg.

Die Baugenossenschaft Heimat erwarb im Jahr 1927 von der Gemeinde Stiepel den ehemaligen Haarmann‘schen Kotten an der Hochstraße 20 / 22 (heute Henkenbergstraße), letzter bekannter Besitzer war der Kötter Georg Haarmann. Zu dem Kotten gehörten 10 Morgen Land, also rund 25.000 m². Auf diesem Land wurde durch die Baugenossenschaft im Jahr 1928 eine Siedlung mit zunächst 21 Häusern errichtet. Sie bildete den oberen Teil der Flaßkuhlstraße. Angemerkt sei, dass für damalige Stiepeler Verhältnisse diese Art der Bebauung, nämlich eine so große Siedlung auf bis dahin landwirtschaftlich genutzter Fläche, eine kleine Sensation war. Die zwei Gebäude des Haarmann‘schen Kottens blieben zunächst stehen, sie wurden in den Jahren 1962/64 für die Errichtung der heutigen Häuser Rautenbergstraße 24 und 26 abgerissen.

Der ehemalige Haarmann‘sche Kotten, heute befinden sich dort die Häuser Rautenbergstraße 24 und 26 Foto: Archiv W. Dickten

Der ehemalige Haarmann‘sche Kotten, heute befinden sich dort die Häuser Rautenbergstraße 24 und 26 Foto: Archiv W. Dickten

Am 16. April 1957 starb August Rautenberg. In Würdigung seiner Verdienste für die Baugenossenschaft wurde auf deren Antrag im Januar 1959 der obere Abzweig der Flaßkuhlstraße in „Rautenbergstraße“ umbenannt.

August Rautenberg hat ab Errichtung der (zunächst gemeindeeigenen) Genossenschaftshäuser am Vormbrock im Jahr 1922 bis zu seinem Tod im Jahr 1957 dort in Hausnr. 4 gewohnt. Neben seinem Engagement für die Baugenossenschaft war er in Stiepel in den 1920er Jahren als Mitbegründer des Arbeiterwohlfahrt-Ortsverbands bekannt. Sein eigentliches politisches und berufliches Schaffen fand allerdings außerhalb Stiepels statt. 1956 wurde er zum Ehrenbürger der Gemeinde Welper ernannt, dort gibt es ebenfalls eine nach ihm benannte August-Rautenberg-Straße.

(Mit freundlicher Unterstützung der Baugenossenschaft „Heimat“ Bochum-Stiepel e.G.)

In der Rubrik „Persönlichkeiten“ finden Sie wesentlich mehr Informationen zu August Rautenberg.

Nettelbeckstraße / Am Brunen

Einer der „älteren“ Wege um das eigentliche Dorf Stiepel herum sind die heutigen Straßen Am Brunen und Nettelbeckstraße. Der ursprüngliche Verlauf ging, beginnend am (nicht mehr existierenden) Bauernhof Schulte Hoffstiepel unmittelbar neben der Dorfkirche, über den ersten Teil der heutigen Nettelbeckstraße und dann die Straße Am Brunen hoch.

Der obere Teil der Nettelbeckstraße von diesem Abzweig bis zur Kemnader Straße ist im Jahr 1930 das erste Mal befestigt und kanalisiert worden, vorher war dieser Teil ein reiner Feldweg. Daher ist dieser Straßenabschnitt auf Karten vor 1930 nicht verzeichnet. In den 1950er Jahren, nach Aufgabe einiger landwirtschaftlich genutzter Flächen, ist die Straße verbreitert und weiter ausgebaut worden.

Der obere Teil der heutigen Nettelbeckstraße mit Blick auf den alten "Hof Nettelbeck". Links oben ist das als "Gaststätte Heil" bekannte Haus zu erkennen (vor 1930) Foto: F. Pieper

Der obere Teil der heutigen Nettelbeckstraße mit Blick auf den alten “Hof Nettelbeck”. Links oben ist das als “Gaststätte Heil” bekannte Haus zu erkennen (vor 1930) Foto: F. Pieper

Seit frühester Zeit ist auch die Stichstraße gegenüber dem Haferweg in Richtung „In der Hei“ vorhanden. Hier liegt der Hof einer der ältesten Stiepeler Familien, Wefelscheid mit erster bekannter urkundlicher Nennung des Namens im Jahre 1150 (heute Nettelbeckstraße 52). Heute verbindet diese Stichstraße die Nettelbeckstraße zwar mit der später ausgebauten Straße In der Hei, ist aber teilweise Privatweg und nicht mehr für den Verkehr befahrbar. Sie reichte bis zu dem damaligen Haus Gustavstraße 22 (seinerzeitiger Anwohner Gustav Kogelheide), das heute zur Straße In der Hei gehört. Außerdem ist vielen älteren Stiepelern das an diesem Weg stehende und unter Denkmalschutz gestellte Fachwerkhaus (heute Nettelbeckstraße 54a) noch unter dem Namen der seinerzeitigen Besitzer, Familie Freese, bekannt. Auch der Bauernhof Haarmann In der Hei war über diesen Weg an das Dorf Stiepel angebunden.

Die Gustavstraße galt, neben der eigentlichen „Kirchstraße“ (heutige Gräfin-Imma-Straße), in Verlängerung der Galgenfeldstraße als Kirchweg für den Ortsteil Schrick. War die „Kirchstraße“ im Winter zum Beispiel für Trauerzüge nicht zu begehen, wurde auch von den übrigen Ortsteilen aus der Umweg über diesen Kirchweg genommen. Durch die Gemeinde Stiepel wurde der Weg im Jahr 1913 als „öffentlicher Kommunalweg“ eingestuft.

Die erste Bezeichnung „Gustavstraße“, die im Jahr 1909 vergeben wurde, lässt sich schlicht und ergreifend über den hohen Anteil des Vornamens Gustav unter den Bewohnern der Straße erklären. Anfang des letzten Jahrhunderts gab es genau 16 Häuser an der Straße. In sechs davon hieß das Familienoberhaupt Gustav, und zwar aus den Familien Hoose, Kost, Stoffer, Kogelheide, Wegmann und Murmann.

Nettelbeckstraße

Nettelbeckstraße

Am Brunden

Am Brunden

Bei der Umbenennung im Jahr 1929 im Zusammenhang mit der Eingemeindung nach Bochum wurde die Gustavstraße vom Namen her zweigeteilt in die Nettelbeckstraße und Am Brunen. Der Name Nettelbeck erinnert an die ehemaligen Eigentümer des Hofes (heute Nettelbeckstraße 14), die urkundlich das erste Mal im Jahre 1556 erwähnt werden. Dieser Hof- und Familienname lässt sich wiederum zurückführen auf die Nettelbecke, ein nicht mehr vorhandener Bach, der unmittelbar neben dem Hof seine Quelle hatte. Die Nettelbecke floss von dort westlich der Düsterstraße durch die Geländesenke an der Straße Vorm Felde und weiter in das Tal unterhalb des evangelischen Friedhofs. Die eingangs erwähnte Kanalisierung im oberen Teil der Nettelbeckstraße im Jahre 1930 erfolgte insbesondere, um die Nettelbecke unter der Straße abzuleiten, da diese wie ein Damm wirkte.

Die Herkunft des Namens Am Brunen ist nicht sicher geklärt. Die Stadt Bochum gibt in ihrer Dokumentation „Bochumer Straßennamen – Herkunft und Deutung“ Folgendes an: „Nach dem alten Hof Brune, der bis Anfang des 20. Jahrhunderts bewirtschaftet wurde. Er lag südlich des katholischen Kindergartens an der Straße Am Brunen“. Hört sich gut an, aber: Es gab in Stiepel zu der Zeit zwar den Familiennamen Brune, er ist aber nicht als Hofname bekannt, insbesondere nicht an dieser Stelle. Die Deutung, dass der Name auf die zwischen Hof Nettelbeck und der Straße gelegenen Quelle der Nettelbecke zurückzuführen ist, lässt sich ebenfalls nicht belegen.

Im Zusammenhang mit der Straße Am Brunen muss auch der Jüdische Begräbnisplatz erwähnt werden, der gegenüber dem katholischen Kindergarten lag (Text ist der Schrift „Jüdische Friedhöfe im heutigen Bochumer Stadtgebiet“ entnommen): „Insgesamt gab es in Bochum vier jüdische Friedhöfe und einen in Wattenscheid, von denen nur der Wattenscheider Friedhof und der jüdische Friedhof an der Wasserstraße heute noch existieren. Nach mündlicher Überlieferung sollen die letzten Bestattungen auf dem Stiepeler Begräbnisplatz um 1880 herum erfolgt sein.“

Ministerstraße

Eine der wenigen Straßen, die bereits vor Einführung der offiziellen Straßennamen im Jahr 1909 so hieß und diesen Namen auch über die Eingemeindung von Stiepel nach Bochum im Jahr 1929 hinaus behalten hat, ist die „Ministerstraße“. Zurückzuführen ist der Name auf Friedrich Wilhelm Finke (1867 – 1938), der „Minister“ genannt wurde.

Das ihm gehörende Grundstück war ursprünglich Teil des sogenannten Pastorats­busches, den das evangelische Pastorat im Rahmen der Markenteilung im Jahr 1786 erhielt. Zunächst verpachtet, später dann verkauft, wurde dieser Teil des Kirchenwaldes am 1. August 1827 in einer Größe von „drey Morgen 84 Ruthen“ (= 8.850 m²) an Wilhelm Finke und seine Ehefrau Maria Catharina Leese. In der Urkunde wird das Grundstück beschrieben als „… einen dem hiesigen Pastorath zugehörigen Buschdistrict in Mittelstiepel“. Es war „zu einer Kötterey urbar zu machen“. Ein Enkel des genannten Ehepaares war besagter Friedrich Wilhelm Finke. Der Bezeichnung „Minister“ war die kürzere Version des eigentlichen Spitznamens „Hühnerminister“. Diesen erhielt er, da er bekannt war für die Zucht von Minorka-Hühnern.

Das erste und lange Zeit einzige Haus an der Straße (erbaut 1827) ist 1943 zerstört worden

Das erste und lange Zeit einzige Haus an der Straße (erbaut 1827) ist 1943 zerstört worden

Das Haus von „Minister Finke“ war somit das erste und für lange Zeit einzige Haus an der Straße. Daher ist die Straße im Volksmund bereits vor Einführung der offiziellen Straßennamen im Jahr 1909 entsprechend „Ministerstraße“ genannt worden. Das Haus ist im 2. Weltkrieg zerstört und danach wieder aufgebaut worden (heute Ministerstraße 5).

Durch seine politischen Aktivitäten brachte er es in den Jahren 1919 – 1924 zum Stiepeler Gemeindevorsteher. Unter „Persönlichkeiten“ finden Sie weitere Details zu Friedrich Wilhelm Finke.

Krockhausstraße

Die Krockhausstraße, eine Straße mit fast vergessener historischer Bedeutung: Sie ist eng mit dem Bergbau verbunden und war der Beginn des „Gahlen’schen Kohlenwegs“, der von der Ruhr bei Stiepel über Weitmar, Hamme, Eickel, Dorsten bis nach Gahlen an der Lippe führte (www.gahlenscher-kohlenweg.de). An der Straße, die von der Fähre und Kohlenniederlage An der Kost über den Rauterdeller Siepen hoch bis zur heutigen Kemnader Straße verlief, lagen unter anderem die Zechen und Schächte Preußischer Zepter, Brockhauser Tiefbau, Ignatius, Krockhausbank und Haarmannsbank.

Ab 1766 wurde die Straße als befestigter Fuhrweg für Kohlentransporte ausgebaut. Sie war die einzige Verbindung aus dem Gemeindeteil Haar in Richtung Welper/ Hattingen, die heutigen Verbindungswege Hülsbergstraße, Am Varenholt und Kosterstraße gab es noch lange nicht.

Auf der Preußischen Gemeindekarte von 1824 wird die Straße als „Weg von Blankenstein“ bezeichnet. Herausgeber: Stadt Bochum

Auf der Preußischen Gemeindekarte von 1824 wird die Straße als „Weg von Blankenstein“ bezeichnet. Herausgeber: Stadt Bochum

Erst später hat ihr die Brückstraße (heute Am Varenholt, Benennung in 1909 vermutlich wegen deren Funktion als Weg zur Kosterbrücke) im Zuge der weiteren Besiedlung diese Bedeutung abgenommen. Die heutige Kosterstraße (Benennung in 1909 als Finkenstraße wegen des Verlaufs durch den Finkensiepen) wurde erst 1922 fertig gestellt. Bei den ersten Überlegungen im August 1912 zum Bau einer Straßenbahn­linie war die Stiepeler Gemeindevertretung noch der Überzeugung, dass die Brückstraße „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Im September 1913 entschloss sich die Gemeindevertretung dann aber „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße. … Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhältnisse aufweist.“ Der Bau dieser neuen Straße wurde 1915 kriegsbedingt unterbrochen, nach Fertigstellung der heutigen Kosterstraße ging die Bedeutung der Krockhausstraße noch weiter zurück.

Die Benennung der Straße auf „Krockhausstraße“ im Jahr 1929 (mit der Eingemeindung Stiepels nach Bochum) erinnert an den erstmals 1335 urkundlich erwähnten Hof- und Familiennamen Krockhaus. Andere Quellen aus der Stiepeler Geschichtsforschung gehen bisher vom Jahr 1601 aus. Der Hof, der am Beginn der Straße lag, ist im Jahr 1943 ausgebrannt und nicht wieder aufgebaut worden. Das heute noch als „Krockhaus-Villa“ bezeichnete Haus, das um 1900 errichtet wurde, steht ein Stück neben dem ursprünglichen Hof. Gleichzeitig erinnert der Name auch an die zwei Stiepeler Gemeindevorsteher aus dieser Familie: die Brüder Heinrich Georg zur Oven-Krockhaus (geboren 1852, Amtszeit 1886-1888) und Friedrich Heinrich zur Oven-Krockhaus (geboren 1857, Amtszeit 1895-1919). Der Familienname hatte sich im Jahr 1794 durch eine Heirat geändert auf „zur Oven genannt Krockhaus“. Als wichtige Einnahmequelle wurden neben dem landwirtschaftlichen Betrieb eine Ziegelei und ein Steinbruch betrieben.

„Krockhaus-Villa“, Foto: H.-D. Eickelbeck

„Krockhaus-Villa“, Foto: H.-D. Eickelbeck

Die nicht mehr bestehende Wirtschaft Wengeler, die Gründungslokal der Kompanie Brockhausen (Schützenverein) war. Foto: W. Dickten

Die nicht mehr bestehende Wirtschaft Wengeler, die Gründungslokal der Kompanie Brockhausen (Schützenverein) war. Foto: W. Dickten

Der zuerst mit Einführung der Straßennamen in Stiepel im Jahr 1909 vergebene Name war „Hertastraße“. Die Entstehung dieser Bezeichnung lässt sich nicht mit Sicherheit nachvollziehen. Tatsache ist aber, dass die 1897 geborene jüngste Tochter des 1909 im Amt befindlichen Gemeindevorstehers zur Oven-Krockhaus den Vornamen Herta hatte. Da wäre es schon ein großer Zufall, wenn dies die Namensfindung nicht beeinflusst hätte.