Aktuelles

Am Varenholt

Die Straße “Am Varenholt”ist das erste Mal in der Stiepeler Gemarkungskarte aus dem Jahr 1885 eingezeichnet mit dem Hinweis „Feldweg“. Die Bebauung entlang des Weges begann auch erst zu jener Zeit, Haus Nettelbeck wurde zum Beispiel 1875 eröffnet. Der erste befestigte Ausbau der Straße erfolgte dann im Jahr 1902 auf einer Länge von rund 1,5 km für Kosten von 12.000 Mark „… durchweg mit Packlage und Kleinschlag aus Sandstein … und zum größten Teil mit gepflasterten Seitenrinnen versehen.“ Die Bebauung war stark durch Kötter geprägt, also durch eine landwirtschaftliche Selbstversorgung auf einem kleinen Stück Land. So sind auf dem ersten Bochumer Stadtplan (aus dem Jahr der Eingemeindung 1929) rund 25 Häuser einge­zeichnet.

Einem Verzeichnis über den Bestand an Kühen können wir z.B. entnehmen, dass im Jahr 1936 zu 18 von diesen Häusern der Varenholtstraße insgesamt 20 Kühe registriert waren.

Der erste Bochumer Stadtplan für Stiepel mit der Varenholtstraße nach der Eingemeindung 1929

Der erste Bochumer Stadtplan für Stiepel mit der Varenholtstraße nach der Eingemeindung 1929

Neben der Erschließung von neuem Besiedlungsgebiet diente die Straße auch als Weg zur Kosterbrücke. Die heutige Kosterstraße ist erst ca. 1922 erstellt worden. Als mögliche Wege zur Kosterbrücke gab es bis dahin von Osten her kommend die heutige Brockhauser Straße und aus westlicher Richtung die Krockhausstraße. Daher lag es bei Vergabe der Straßennamen im Jahr 1909 nahe, die Straße als „Brückstraße“ zu bezeichnen. Die (erste) Kosterbrücke wurde von der Henrichshütte im Jahr 1860 einzig für den Transport von Kohlen und Erzen errichtet. Fußgänger durften sie nur bei Hochwasser benutzen. Im Jahr 1910 wurde die (zweite) Kosterbrücke neu errichtet und diente als Verkehrsweg nach Hattingen. Die heutige Brücke wurde 1980 eingeweiht.

Die Bedeutung der Straße nach dem Ausbau im Jahr 1902 geht aus einem Zeitungsartikel vom 14. Mai 1910 hervor, dort ist zu lesen: „In einem saumäßigen Zustande befindet sich schon seit fast einem Jahre die Brückstraße. Im vorigen Frühjahr wurde durch die Straße ein neuer Rohrstrang gelegt, seit dieser Zeit ist der Weg kaum passierbar, obwohl gerade dieser Weg die Hauptverkehrsstraße zwischen Hauptstraße (= heutige Kemnader Straße) und Brücke ist …“ Interessant ist, dass bei den ersten Überlegungen im August 1912 zum Bau einer Straßenbahn­linie die Wahl zunächst auf die Brückstraße fiel. Die Stiepeler Gemeindevertretung war noch der Überzeugung, dass die Brückstraße „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Im September 1913 entschloss sich die Gemeinde­vertretung dann aber „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße [= heutige Kosterstraße]. Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhält­nisse aufweist.“ Bedingt durch den 1. Weltkrieg haben sich der Neubau der Kosterstraße und der Bau der Straßenbahnlinie dann bis in die 1920er Jahre verzögert.

Überlagerung alte und neue Karte: Gebäude "Fahrenholt" in rot eingefärbt

Überlagerung alte und neue Karte: Gebäude “Fahrenholt” in rot eingefärbt

Unterschrift "Fahrenholt" im Stiepeler Urkataster 1823

Unterschrift “Fahrenholt” im Stiepeler Urkataster 1823

Im Zuge der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 wurde die Straße in „Varenholtstraße“ umbe­nannt. Wie bei vielen anderen Namensfindungen auch, wurde auf damals schon historische Hintergründe zurückgegriffen. In der Preußischen Gemeindekarte aus dem Jahr 1823 ist am unteren Ende der Straße ein heute nicht mehr bestehendes Gebäude mit der Benennung des seinerzeitigen Eigentümers eingezeichnet: Fahrenholt. Das Haus und das dazugehörige Grundstück lagen vor der ehemaligen Brockhauser Schule, unmittelbar gegenüber der Einmündung der Hülsbergstraße. Legt man mit digitaler Technik alte und aktuelle Karten übereinander, so liegt die Vermutung nahe, dass das Haus beim Ausbau der Straße im Jahr 1902 im Weg gestanden hat. Zu dieser Zeit ist als Eigentümer der Name „Wallbruch“ verzeichnet.

Im Jahr 1979 fand eine weitere Umbenennung statt. Wegen der Verwechslungsgefahr mit der Varenholzstraße im 1975 nach Bochum eingemeindeten Wattenscheid wurde der Name geändert in „Am Varenholt“.

Erwähnt werden sollten die drei aus historischer Sicht bekanntesten Gebäude an der Straße: das Kloster, die ehemalige Brockhauser Schule und die Wirtschaft Nettelbeck.

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Die ehemalige Brockhauser Schule am unteren Ende der Straße in ihrem aktuellen Zustand

Am Gebrannten

Unsere Gemeindeväter haben sich seinerzeit offensichtlich sehr für historische Zusammenhänge interessiert. Denn wie bei vielen Straßennamen in Stiepel müssen wir zu deren Erklärung auch in diesem Fall bis zur sogenannten Markenteilung aus dem Jahr 1786 zurückgehen. Hintergrund und Details zur Markenteilung sind in der Festschrift „1000 Jahre Dorfkirche Bochum Stiepel“ durch Dr. Klaus Eichholz ausführlich beschrieben.

Der bis zum Jahr 1786 durch die alteingesessenen Bauernhöfe, die kleineren Kötter sowie die adeligen Besitzer des Hauses Kemnade gemeinschaftlich genutzte Wald, die Stiepeler Mark, wurde entsprechend der über Jahrhunderte festgelegten Holz- und Weiderechte in Privatbesitz überführt. Die jeweiligen Mitglieder dieser drei Gruppen, die sogenannten Markgenossen, erhielten aus dem bis dahin gemeinschaftlich genutzten Wald einen ihren alten Nutzungsrechten entsprechendes Eigentum übertragen. Die adeligen Herren des Haus Kemnade erhielten unter anderem das Stück am nördlichen Ende der heutigen Straße, auf dem der (ehemalige) Hof „Haarmann am Gebrannten“ errichtet wurde. Auch die weiter nordwestlich daran anschließende komplette Voßkuhlstraße ist auf ehemaligem Kemnader Grundbesitz entstanden. In der Zeit nach der Markenteilung hat dann ein Familienmitglied derer von Syberg, der seinerzeitigen Lehensherren auf Kemnade, aus Wald- und Grundbesitz das schnelle Geld machen wollen. Großteile des Waldes wurden gerodet, vermutlich auch durch Brandrodung. Ein dokumentierter gerichtlicher Rechtsstreit innerhalb der Familie zeugt von den gegenläufigen Interessen bei dieser Aktion. Zu einer Verurteilung des Angeklagten kam es aufgrund dieses sogenannten Waldfrevels aber nicht.

So kam die Straße im Jahr der Eingemeindung Stiepels nach Bochum (1929) durch diesen überlieferten Waldfrevel zu ihrem heutigen Namen „Am Gebrannten“. Erst ein Jahr vorher (1928) wurde die Straße von der Gemeinde Stiepel in die öffentliche Unterhaltungspflicht übernommen. Bis dahin war sie ein reiner Privatweg. Den vorherigen, im Jahr 1909 vergebenen Namen „Heinrichstraße“ dürfte sie erhalten haben, weil in drei von sechs Häusern der Straße zu jener Zeit die männlichen Familienoberhäupter den Vornamen Heinrich trugen: Haarmann, Pracht und Althaus. Mit der Gustavstraße (heute Nettelbeckstraße) und der Georgstraße (heute Teil der Surkenstraße) haben wir zwei weitere Beispiele für diese Art der Namensfindung bei der erstmaligen Straßenbenennung des Jahres 1909.

Die Straße Am Gebrannten ist -unabhängig vom Aspekt der Namensfindung- untrennbar verbunden mit der Geschichte der Familie Oberste-Beulmann. Im Zuge der bereits beschriebenen Markenteilung erhielt der Hof Oberste-Beulmann an der Düsterstraße (heute Hausnr. 25) einen ca. 2,3 ha großen Teil der Stiepeler Mark auf dem Schrick. Beginnend an der heutigen Hevener Straße (Hausnr. 35 – 39) zog sich dieses Stück Land nach Norden und entspricht genau den heute auf der östlichen Straßenseite des Gebrannten liegenden Grundstücken (heutige gerade Hausnummern 4 – 40). Das Grundstück ging bis zum Hof „Haarmann am Gebrannten“, der seine Zufahrt über das besagte Grundstück erhielt. Diese Zufahrt entsprach im Grunde der späteren Straße Am Gebrannten.

Ausschnitt der Markenteilungskarte 1786 mit Überlagerung einer aktuellen Katasterkarte: von den Häusern Hevener Straße 35 – 39 am unteren Rand bis oben zu Hausnr. Am Gebrannten 40 zog sich das ehemalige Grundstück Oberste-Beulmann.

Ausschnitt der Markenteilungskarte 1786 mit Überlagerung einer aktuellen Katasterkarte: von den Häusern Hevener Straße 35 – 39 am unteren Rand bis oben zu Hausnr. Am Gebrannten 40 zog sich das ehemalige Grundstück Oberste-Beulmann.

Vermutlich nach ihrer Hochzeit (1891) errichtete das Ehepaar Wilhelm (*1868) und Emilie (*1871) Oberste-Beulmann im Jahr 1893 auf dem beschriebenen Grundstück ein Haus, nachdem sie dieses Stück Land als Erbteil des Hofes an der Düsterstraße erhalten hatten. Dies war die spätere Hausnr. Haarholzer Straße 28, das Haus wurde vor einigen Jahren abgerissen und durch einen Neubau mit Eigentumswohnungen ersetzt. Nach früheren Verkäufen blieb bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts rund die Hälfte des ursprünglichen Grundstücks im Besitz der Familie Oberste-Beulmann. In den 1930er Jahren wurde das Grundstück im Zuge einer weiteren Erbteilung unter fünf von neun Kindern des genannten Ehepaares aufgeteilt und weiter bebaut. Einige dieser Grundstücke sind nach wie vor im Familienbesitz.

Am Bliestollen

An der Grenze nach Sundern und Weitmar finden wir eine Sackgasse. Sie ist zwar nur ein paar hundert Meter lang ist, ihre Namensfindung verrät aber einiges über die Geschichte des Bergbaus in Stiepel: die Straße „Am Bliestollen“

Der erste in 1909 vergebene Name für diese Straße war „Friedrichstraße“ nach der an ihr liegenden Steinkohlenzeche Friedrich (nicht zu verwechseln mit Carl Friedrich’s Erbstolln, Kemnader – / Ecke Markstraße). Die Zeche Friedrich war von 1753 bis 1777 in Betrieb und hat anschließend bis 1832 stillgelegen. Dann begann man mit der Auffahrung eines neuen Stollens, 1835 erfolgte die Wiederinbetriebnahme. Die Zeche war im Besitz des preußischen Staates, so dass die Vermutung naheliegt, dass die Benennung „Friedrich“ nach den preußischen Königen erfolgte. Das Tal an der Grenze nach Sundern und Weitmar, in der die Straße liegt, wurde daher auch Friedrichstal genannt. Die offizielle Bezeichnung lautet Rauterdeller Siepen. In diesem Tal lagen weitere Steinkohlenzechen, die bedeutendste dürfte „Preußischer Zepter“ gewesen sein, die ebenfalls im Besitz des preußischen Staates und als eine der ältesten Zechen im Raum Bochum mindestens seit 1695 in Betrieb war.

In den Jahren 1831 bis 1854 hat der Industrielle Franz Haniel das Eigentum an den Steinkohlezechen im Rauterdeller Siepen erworben, teilweise ersteigert. Im Jahr 1873 wurden diese, d.h. die beiden Zechen Preußischer Zepter und Friedrich sowie weitere Zechen des Rauterdeller Siepen zur Zeche „Brockhauser Tiefbau“ vereinigt. Zu dieser Zeit war der Förderschacht von Friedrich bereits vorhanden und wurde bis 1874 weiter abgeteuft. Über Tage erhielt er einen aus Bruchstein / Ruhrsandstein gemauerten Malakow­turm. Dieser 1876 in Betrieb genommene Stiepeler Malakowturm ist von den 13 noch erhaltenen Malakowtürmen des Ruhrgebiets das einzige in Ruhrsandstein gemauerte Bauwerk seiner Art. Alle übrigen Türme sind aus Ziegel- bzw. Backstein errichtet.

Der einzige erhaltene in Ruhrsandstein gemauerte Malakowturm des Ruhrgebiets in einer älteren Aufnahme, Foto: Stadtarchiv Bochum

Der einzige erhaltene in Ruhrsandstein gemauerte Malakowturm des Ruhrgebiets in einer älteren Aufnahme, Foto: Stadtarchiv Bochum

Während die erste Namensgebung „Friedrichstraße“ an den Steinkohlenbergbau erinnert, ergibt sich die Umbenennung in „Am Bliestollen“ im Jahr 1929 aus dem Erzbergbau. Mit der Errichtung der Henrichshütte in Hattingen ab 1854 gab es einen großen Bedarf an Erzen für die Eisen- und Stahlerzeugung. Im Rauterdeller Siepen lassen sich zwei kleinere Bleierzfunde nachweisen. Am unteren Ende der Hülsbergstraße gab es ab 1864 den Tagebau „Silberkuhle“ und an der heutigen Blankensteiner Straße ab 1863 den „Stolln von Stiepel“. Dieses Bleierzvorkommen wurde im Jahr 1627 das erste Mal urkundlich erwähnt. Die Bezeichnung für diesen Bleierzstollen hatte sich wahrscheinlich im Volksmund erhalten und wurde in der Plattdeutschen Sprechweise „Bliestollen“ überliefert. Eine nennenswerte Erzförderung hat übrigens zu keinem Zeitpunkt stattgefunden.

Schankwirtschaft Wilhelm Westerberg / Zum Friedrichstal, heute "Waldhaus"

Schankwirtschaft Wilhelm Westerberg / Zum Friedrichstal, heute “Waldhaus”

Neben dem Malakowturm als prägendes Bauwerk der Straße gibt es als zweites nennenswertes Gebäude die ehemalige Wirtschaft Westerberg, seit jeher ein beliebtes Ausflugs- und Gartenlokal. Heute ist dort das Restaurant „Waldhaus“ beheimatet.

Nicht vergessen werden darf auch der ehemalige Steinbruch, der an der Ecke der heutigen Blankensteiner Straße und Krockhausstraße gelegen war. Es wird überliefert, dass die Steine für den Malakowturm aus diesem Steinbruch stammen.

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten

Zeitungsausschnitt: Archiv W. Dickten

Altes Pastorat

Das ehemalige Pastorat bzw. Pfarrhaus der evangelischen Gemeinde Stiepel liegt am unteren Ende der Straße “Im Sonderfeld”, heute hat es die Hausnummer 68. Ein Vorgängerbau musste im Jahr 1770 abgerissen werden, das “neue” Pfarrhaus wurde unter Pastor Bruns (Pastor in Stiepel von 1775 – 1815) im Jahr 1780 errichtet. Im Jahr 1952 verkaufte die Gemeinde das Gebäude (Infomationen entnommen aus der Festschrift “1000 Jahre Dorfkirche Bochum-Stiepel”).

Das Gebäude liegt zwar etwas verborgen, ist aber bei einem Spaziergang durch den sog. Pastorssiepen südlich des alten Friedhofs gut zu sehen. Die charakteristische Fensterform, so wie auf dem historischen Foto, ist heute noch gut zu erkennen.

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Das alte Pastorat um 1900, im Vordergrund Pfarrer Schimmel mit Familie

Heutiger Blick auf Haus Nr. 68 aus dem sog. Pastorssiepen

Heutiger Blick auf Haus Nr. 68 aus dem sog. Pastorssiepen

Ziegelei Munkenbeck – der erste Industriebetrieb in Stiepel

In unserem über Jahrhunderte durch Landwirtschaft und Bergbau geprägten Ortsteil ist vor etwas mehr als 100 Jahren -wenn man es so sehen will- der erste Industriebetrieb deutlich erweitert worden: die Ziegelei Munkenbeck. 1890 in Betrieb gegangen, wurde im März 1912 die geplante Erweiterung im Hattinger Anzeiger bekanntgemacht, Widerspruchsfrist inklusive. Dort heißt es: „Die Frau Witwe Georg Munkenbeck zu Stiepel beabsichtigt auf ihrem … Grundstücke … einen Ziegel-Ringofen anzulegen.“ Mit diesem Grundstück ist das Gelände des heutigen Sportplatzes an der Kemnader Straße gemeint, das zum Hof Munkenbeck gehörte.

Die Genehmigung wurde am 8. Mai 1912 erteilt. Mit demselben Datum wurde darüber hinaus die Anlegung eines feststehenden Dampfkessels genehmigt. Bestandteil der Anlage waren dann neben dem Ringofen und dem Dampfkessel zwei Schornsteine sowie ein großer Wasserteich.

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Blick nach Norden: die Ziegelei Munkenbeck mit der Kemnader Straße im Hintergrund, deren Verlauf durch die alleeartige Baumbepflanzung sichtbar wird. Foto: Archiv W. Dickten

Zunächst, d.h. ab 1890, handelte es sich vermutlich um eine sog. Feldbrandziegelei. Im Stiepeler Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1891 werden rund 10 „Ziegelarbeiter“ genannt, die auch auf dem Gelände der Ziegelei gewohnt haben. Der Umstieg auf einen sog. Ringofen im Jahr 1912 bedeutete eine höhere Mechanisierung und effizientere Produktion.

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Blick nach Süden: die Wiese im Vordergrund ist der ehemalige Sportplatz, dort wo heute die Flaßkuhlstraße beginnt. Dahinter ein Kornfeld, dann die Ziegelei. Der Höhenzug im Hintergrund ist die Henkenbergstraße. Foto: Archiv W. Dickten

Nach dem Tod der Witwe Munkenbeck kauft die Gemeinde Stiepel den Erben die Ziegelei im Jahr 1920 ab. In der Versammlung der Gemeindevertretung von 1. April 1920 wird protokolliert: „… beschließen wir heute den Ankauf der in unserer Gemeinde liegenden Munkenbeckschen Ziegelei zum Preis von 130.000 M. … durch die Produktion der Bausteine einerseits preisausgleichend und preisermäßigend zu wirken … und andererseits wird die Rentabilität durch den mit starker Wahrscheinlich­keit grossen Bedarf auf längere Zeit sichergestellt sein.“ Neben der eigentlichen Finanzverwaltung der Gemeinde gibt es in den Folgejahren eine separate „Ziegeleikasse“.

Nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum (1929) betrieb das Tiefbauamt der Stadt Bochum die Ziegelei. Das Rohmaterial wurde im Steinbruch gewonnen und je nach Beschaffenheit und Art der herzustellenden Produkte mit Sandstein und Lehm aufbereitet. Nach der Weltwirtschaftskrise wurde die Ziegelei in den Jahren 1930 und 1931 nur mit halber Produktion betrieben, im Jahr 1932 ruhte der Betrieb. Mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs wurde ein Drittel der Belegschaft (von insgesamt rund 25 Personen) eingezogen. Solange es eben ging, wurde die Produktion aufrecht erhalten. Im Frühjahr 1941 konnte die Ziegelei aber nicht wieder in Betrieb gehen, sie wurde als “nicht kriegswichtig” stillgelegt. Beim schweren Luftangriff auf Stiepel am 13./14. Mai 1943 wurde sie so stark beschädigt, dass ein Wiederaufbau nicht machbar erschien. Die noch vorhandenen Maschinen wurde an andere Ziegeleien verkauft bzw. ein Rest verschrottet und die Gebäudereste Anfang der 1950er Jahre abgebrochen (Informationen aus den Verwaltungsberichten der Stadt Bochum 1928 – 1952).

Der Tonschieferbruch und der große Ziegelei­teich wurden mit Trümmern aus dem zerstörten Bochum zugeschüttet, der gesamte Bereich wurde planiert. Anfang der 1950er Jahre wurde auf dem Gelände der Stiepeler Sportplatz erstellt.

Stadtplan-Ausschnitt 1929: An der Stelle der Ziegelei ist heute der Tennis- und Sportplat. Foto: Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367 Stadt Bochum

Stadtplan-Ausschnitt 1929: An der Stelle der Ziegelei ist heute der Tennis- und Sportplatz. Foto: Amt für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367 Stadt Bochum

Glockengeläut auf dem Haarmannshof

Die Existenz des Haarmannshofes an der Haarstraße ist urkundlich 1486 (Stiepeler Grenzbegehung) nachgewiesen. Es gibt jedoch auch schon eine Urkunde aus dem Jahre 1382, die auf einen sogenannten Vorratskamp an dieser Stelle hinweist. Das heutige Bauernhaus wurde 1750 gebaut. Im Dachstuhl dieses Hauses befindet sich das aus dem Jahre 1590 stammende Uhrwerk mit einer auf dem Giebel des Hauses angebrachten Glocke. Dieses kleine Glockenhaus ist das Wahrzeichen des Gehöftes. Das Uhrwerk ist somit älter als das Wohnhaus und muss schon auf einem vorherigen Gebäude existiert haben.

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Glockentürmchen

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Uhrwerk

Der Mechanismus des Uhrwerks wurde von einem Bruder des um 1600 den Hof bewirtschaftenden Haarmann-Bauern entworfen. Dieser wurde dann durch einen nicht mehr bekannten Stiepeler Fachhandwerker konstruiert und mit der Hand jedes einzelne Teil geschmiedet.

Die Stiepeler Bewohner richteten sich in den frühen Jahren und während des 30jährigen Krieges, später dann auch die Bergleute, nach diesem Uhrwerk. Zur damaligen Zeit gab es noch keine Kirchen, Schulen und Fabriken, die durch Läuten Mittag und Feierabend verkündeten. Seit Ende des 19. Jahrhunderts stand die Uhr. Mehrere Uhrmacher hatten den Versuch unternommen, dieses Werk wieder in Gang zu bringen, was jedoch nicht gelang. Die Uhr ist dann langsam verrottet und verfallen.

Im Jahre 1935 wurde das Uhrwerk von dem Bochumer Uhrmacher Wedekind überholt. Die im Uhrinneren eingeritzten Jahreszahlen 1590, 1709, 1790 und 1798 deuten jedenfalls an, wann dieses seltene Werk erbaut ist, bzw. nachgesehen wurde.

Das Uhrwerk ist im Moment betriebstüchtig und in der Lage, zu jeder vollen und halben Stunde zu schlagen. Es wird jedoch nicht in Gang gesetzt, da es ansonsten auch die gesamte Nacht hindurch schlagen würde, welches mit einer unvertretbaren Lärmbelästigung der Nachbarn einherginge.

Das schmiedeeiserne Uhrwerk mit mehr als 40 Zahnrädern hat etwa die Größe eines Fernsehgerätes. In der Mitte vorn ist das Pendel mit einem Gewicht aus Blei zu erkennen.

Nachdem das Uhrwerk wieder erste Anzeichen von Korrosion zeigte, wurde es im Juni 2019 ausgebaut und dann einer grundlegenden Sanierung bei einem Restaurator in Recklinghausen unterzogen. Sämtliche Teile wurden einzeln von Farbresten (Silberbronze und Lack) befreit und ausgeschlagene Lager wieder gangbar gemacht. Die Metallteile wurden abschließend mit einer speziellen Schutzschicht überzogen und das Uhrwerk dann wieder zusammengesetzt.

Am 19.10.2019 kehrte das weiterhin funktionstüchtige Uhrwerk auf den Hof zurück und wurde in den zwischenzeitlich ebenfalls restaurierten Schutzschrank eingebaut. Es kann nun bei Bedarf wieder in Betrieb genommen werden.

Uhrwerk nach Wiedereinbau (2019)

Uhrwerk nach Wiedereinbau (2019)

Wieder erkennbare Jahreszahlen der Herstellung und Reparaturen

Wieder erkennbare Jahreszahlen der Herstellung und Reparaturen

Winterlinde

Auf dem Hofraum 10 m mittig vor dem 260 Jahre alten Wohnhaus steht eine Winterlinde. Dieser Baum ist 14 m hoch, hat einen Stammumfang von 4,10 m und einen Kronendurchmesser von ca. 16 Meter. Die Blüten der Winterlinde sind reich an ätherischen Ölen mit schleimlösender Wirkung und werden häufig in Form von Tee verabreicht.

Dieser mittlerweise über 200 Jahre alte Baum ist in seiner Wuchsform für Bochum einmalig und wurde deshalb 1980 in die Liste der Bochumer Naturdenkmäler aufgenommen und einer entsprechenden baumpflegerischen Maßnahme unterzogen; er befindet sich noch heute in einem guten Allgemeinzustand.

Bis 1980 war der Baumstamm von einer handgezimmerten Sitzbank fast vollständig umgeben auf der man mit dem Rücken zum Stamm sitzen konnte. Dieser Sitzplatz mit Blick auf das Wohnhaus, die Scheune und den Teich bot im Sommer den Knechten und Mägden Schatten und wurde gerne für die Mittagspause oder auch zum sonstigen Verweilen genutzt. So wurde an einem vor dem Baum in den Boden eingelassenen Metallblock die Sense auf der Bank sitzend durch Hammerschläge begradigt und auch wieder geschärft. Der Platz auf der Bank lud auch gerne in der Abend-dämmerung zu Gesprächen mit Nachbarn und Besuchern ein. An einem waagerecht nach Westen verlaufenden Ast war ab 1955 eine Kinderschaukel angebracht, die allerdings 1980 im Rahmen der Baumerhaltung entfernt werden musste.

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Nach wie vor ist dieser Baum ein sehenswerter Mittelpunkt des gesamten Hofraumes.

Autor: Wilhelm Haarmann

Kemnader Brücke

Bauwerk über die Ruhr wurde am 26. Mai 1950 eingeweiht

Die Geschichte der Ruhr-Überquerung in Richtung Blankenstein zieht sich für die Stiepeler Bürger eher zäh durch die Jahrhunderte, bis es endlich in den Jahren 1926 – 1928 zum Bau der Kemnader Brücke kam. Wer die Ruhr in der Zeit davor überqueren wollte, war auf die Fähre Westerberg (später Diergardt, an der Straße „An der alten Fähre“) angewiesen, die ihren Betrieb wahrscheinlich im 18. Jahrhundert aufnahm.

Auch nachdem im Jahr 1893 die „Chaussee von Weitmar bis zur Ruhr“, die heutige Kemnader Straße, fertiggestellt war, endete diese unmittelbar an der Ruhr. Zur Überquerung wurde dort dann eine weitere Personen- und Lastfähre eingerichtet, und zwar durch die adeligen Herren des Hauses Kemnade. Der Bau einer Brücke wurde durch die Gemeinden Stiepel und Blankenstein immer gefordert, er wurde aber durch die Herren von Kemnade verhindert, da diese ein Fährrecht für sich reklamierten und offensichtlich über die Jahrhunderte auch durchsetzen konnten. Auch die Fähre Westerberg hatte auf Grund des mit Haus Kemnade verbundenen Fährrechts einen „Fähr-Pacht-Contract“ (*), für den eine jährliche Pacht zu entrichten war.

In Höhe der heutigen Kemnader Brücke gab es darüber hinaus eine Furt, die bei niedrigem bzw. normalem Wasserstand durch Fuhrwerke genutzt werden konnte. Sie ist aber nach einem Hochwasser im Jahre 1909 ganz verschwunden (*).

Spuren des Zweiten Weltkriegs: die Reste der im April 1945 zerstörten Kemnader Brücke

Spuren des Zweiten Weltkriegs: die Reste der im April 1945 zerstörten Kemnader Brücke

Die Planung einer Brücke über die Ruhr wurde trotz des drohenden Streits über das Fährrecht und dessen finanzieller Entschädigung ab dem Jahr 1903 aufgenommen. Bis zum Jahr 1914 war die Finanzierung der Brücke zwischen den beteiligten Gemeinden und der Provinzialverwaltung in Münster geklärt und es lagen alle Genehmigungen vor. Dann brach jedoch der erste Weltkrieg aus und jegliche Aktivität zum Bau der Brücke wurde auf Eis gelegt. Erst ab dem Jahr 1925 wurde das Projekt wieder in Angriff genommen, die (erste) Brücke wurde am 18. Juni 1928 eingeweiht. Die Frage des Fährrechts hatte sich zwischenzeitlich dadurch gelöst, dass die Stadt Bochum im Jahr 1921 Eigentümerin des Hauses Kemnade geworden ist. Nach Fertigstellung der Brücke wurde der Fährbetrieb an dieser Stelle eingestellt.

In einem damaligen Bericht heißt es: „Mit dem Bau dieser Brücke wurde damit eine seit langem notwendig gewordene Verbindung zwischen Bochum und dem Bergischen Land geschaffen.“ Neben der lokalen Bedeutung hatte die Kemnader Brücke diese übergeordnete Funktion bis zur Fertigstellung der Autobahn A43 Ende der 1960er / Anfang der 1970er Jahre.

Ende des zweiten Weltkriegs wurde die Brücke zerstört, deutsche Truppen sprengten sie beim Rückzug am 11. April 1945 (*). Im Jahr 1947 begann man zunächst damit, die Trümmer aus dem Ruhrbett zu entsorgen, im Jahr 1949 begann der Wiederaufbau. Nach genau einjähriger Bauzeit konnte die (zweite) Kemnader Brücke dann am 26. Mai 1950 eingeweiht und dem Verkehr übergeben werden. In der Zeit zwischen Zerstörung und Wiederaufbau wurde an dieser Stelle der Fährbetrieb durch die Familie des vor 1928 letzten Fährmanns Aghte wieder aufgenommen.

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Die Kemnader Brücke nach dem Wiederaufbau. Im Vordergrund ist die Fähre Aghte zu sehen, die nach der Zerstörung 1945 eingesetzt wurde. Foto: Stadtarchiv Hattingen

(Die mit (*) gekennzeichneten Informationen sind mit freundlicher Unterstützung des Heimatvereins Blankenstein entnommen aus: E. und K.-H. Breitenbach: Blankenstein an der Ruhr, Band 2 – Neues von damals, Selbstverlag 2006)

Einst ein Stiepeler Wahrzeichen: Witthüsers Windmühle

Witthüsers Windmühle an der Haarholzer Straße war einst ein Stiepeler Wahrzeichen. Im Jahr 1838 hat Christian Witthüser ein Stück des Haarholzes, dem Waldgebiet auf dem Schrick, von Landwirt Dietrich Schulte-Schüren gepachtet und urbar gemacht. Später konnte er das Grundstück käuflich erwerben.

Im Jahr 1908 wurde dort von August Witthüser eine Windmühle für das Mahlen von Getreide und den Antrieb von landwirtschaftlichen Maschinen errichtet. 1912 erhielt die Mühle zusätzlich einen elektrischen Motor. Um 1939/1940 wurde das Mühlenhaus zur eigentlichen Höhe aufgestockt.

August Witthüser wurde wegen seiner ungewöhnlichen Arbeitszeiten auch “August inne Nacht” genannt. Denn der Wind blies auch nachts, gelegentlich erfolgten seine Lieferungen zur Nachtzeit. Das Windrad wurde im Jahr 1957 abgerissen.

Witthüsers Windmühle

Witthüsers Windmühle

Das renovierte Gebäude in seinem heutigen Zustand.

Das renovierte Gebäude in seinem heutigen Zustand.

Haus Kemnade

Untrennbar mit Stiepel und seiner Entwicklung verbunden ist die Geschichte des Hauses Kemnade, dem ehemaligen Sitz der adeligen Stiepeler Lehnsherren.

Zur Darstellung der Historie verweisen wir mit einem Link auf die Seite des “Förderverein Haus Kemnade und Musikinstrumentensammlung Grumbt e.V.”

Haus Kemnade im Jahr 1912 (mit hölzener Fußgängerbrücke) und im Jahr 2010:

Haus Kemnade im Jahr 1912

Haus Kemnade im Jahr 1912

Haus Kemnade im Jahr 2010

Haus Kemnade im Jahr 2010

Stiepeler Dorfkirche

Zur Darstellung der Historie der Stiepeler Dorfkirche verweisen wir mit einem Link auf die Seite der Evangelischen Kirchengemeinde Stiepel.

Wir möchten an dieser Stelle nur erwähnen, dass die Dorfkirche zum 1000-jährigen Jubiläum im Jahr 2008 eine eigene Briefmarke erhalten hat:

Briefmarke zum 1000 jährigen Jubiläum der Stiepeler Dorfkirche

Briefmarke zum 1000 jährigen Jubiläum der Stiepeler Dorfkirche