Stiepel

Im Haarmannsbusch

Die Straße „Im Haarmannsbusch“ umfasste bis in die 1950er Jahre auch die heutigen Straßen Libellenweg und Unterm Kolm. Auf Karten aus den Jahren 1824 und 1840 war der Bereich noch komplett bewaldet, auf einer Katasterkarte aus dem Jahr 1879 sind dann rund 25 Häuser eingezeichnet. Bis 1920 hat sich diese Anzahl auf rund 35 erhöht. Ausgangspunkt der Besiedlung war der Bereich um den heutigen Libellenweg, dann folgten die heutige Straße Unterm Kolm mit sieben Häusern sowie der mittlere Bereich des Haarmannsbusches.

Der erste Straßenname „Brüderstraße“, der im Jahr 1909 vergeben wurde, geht auf die Brüder (und eine Schwester) Schellenberg zurück. Der Name Schellenberg taucht erstmals nach 1800 in Stiepel auf. Im Urkataster aus dem Jahr 1824 sind im Bereich der heutigen Dewinkelstraße / Wabenweg drei Grundstücke mit diesem Namen eingezeichnet. Sechs von acht Kindern aus einer dieser Familien gehörten mit zu den ersten, die sich im mittleren Bereich des Haarmannsbusches auf benachbarten Grundstücken niederließen und das Waldgebiet urbar machten. Dies waren die Geschwister Karl Heinrich (*1849), Heinrich Julius (*1851), Dietrich Heinrich (*1855), Friedrich Gustav (*1861), Friedrich Wilhelm (*1863) und Ida Hulda Juliane (*1868) Schellenberg. So hat sich im Volksmund die Bezeichnung Brüderstraße entwickelt. Der Name Schellenberg ist mit dieser Straße auch durch die gleichnamigen Eigentümer der Wirtschaft, der Gärtnerei und eines kleinen Geschäftes verbunden, die alle drei aber nicht mehr bestehen.

Wurde von einem Sohn eines der „Brüder Schellenberg“ betrieben: die Wirtschaft Schellenberg (vorher Gustrau) auf einer Postkarte (Foto: Archiv Wilhelm Dickten)

Wurde von einem Sohn eines der „Brüder Schellenberg“ betrieben: die Wirtschaft Schellenberg (vorher Gustrau) auf einer Postkarte (Foto: Archiv Wilhelm Dickten)

Die Brüderstraße hatte früher einen anderen Verlauf: sie mündete in die heutige Baumhofstraße, die aus Brenschede kam und bereits vor Einführung der Stiepeler Straßennamen die Bezeichnung „Schloßstraße“ trug. Diese Straße bildete dann den weiteren Verlauf in Richtung Surkenstraße bis ins Lottental.

Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1926 gut zu erkennen: die Brüderstraße mündet (von links kommend) auf die Schloßstraße. Am rechten Rand ist die heutige Surkenstraße zu erkennen. (Foto: Regionalverband Ruhr)

Auf einem Luftbild aus dem Jahr 1926 gut zu erkennen: die Brüderstraße mündet (von links kommend) auf die Schloßstraße. Am rechten Rand ist die heutige Surkenstraße zu erkennen. (Foto: Regionalverband Ruhr)

Die Umbenennung der Straße auf „Im Haarmannsbusch“ im Jahr 1929 erinnert an einen zeitlich noch davor liegenden örtlichen Bezug. Zur Herkunft der Bezeichnung „Haarmannsbusch“ müssen wir bis zur sogenannten Markenteilung des Jahres 1786 zurückgehen. Hintergrund und Details zur Markenteilung sind in der Festschrift „1000 Jahre Dorfkirche Bochum Stiepel“ durch Dr. Klaus Eichholz ausführlich beschrieben. Der bis zum Jahr 1786 durch die alteingesessenen Bauernhöfe, die kleineren Kötter sowie die adeligen Besitzer des Hauses Kemnade gemeinschaftlich genutzte Wald, die Stiepeler Mark, wurde entsprechend der über Jahrhunderte festgelegten Holz- und Weiderechte in Privatbesitz überführt. So erhielt der Hof Haarmann aus dem bis dahin gemeinschaftlich genutzten Wald einen entsprechenden Anteil nördlich des Hofes an der Haarstraße. Übrigens lässt sich der heutige Straßenname „Im Königsbusch“ (von 1909 bis 1929 Königstraße) genauso herleiten. Der Hof König (ab 1840 im Besitz der Familie Gathmann) erhielt einen direkt östlich neben Haarmann liegenden Anteil des Waldes. So war der eine Teil „Haarmann’s Busch“, der andere „König’s Busch“. Die Grenze der beiden Waldstücke verlief auf einer Linie zwischen den heutigen Hausnummern Im Haarmannsbusch 81 und 83.

In den 1950er Jahren wurden zwei Stichstraßen vom Namen her aus dem Haarmannsbusch herausgelöst und umbenannt in Libellenweg und Unterm Kolm. Im Urkataster aus dem Jahr 1824 finden sich im Gemeindeteil Haar die Flurbezeichnungen „Der Kolm“, „Auf dem Kolm“ und „Unterm Kolm“. Die letztgenannte Flur lag in etwa in diesem Bereich und wurde für die Straßenbezeichnung herangezogen. Der Libellenweg fiel von der Namensfindung her in die Zeit, in der einige Insekten auch in weiteren Straßenbezeichnungen verewigt wurden, wie zum Beispiel der Zikaden- oder Immenweg.

Im Pastoratsbusch

Diese Straße, die von der Gräfin-Imma-Straße in deren oberen Bereich in westlicher Richtung abgeht, ist mit einigen wenigen Häusern das erste Mal deutlich auf einer Katasterkarte aus dem Jahr 1884 zu sehen. Es sind jedoch nur die auf dem ersten Stück liegenden Häuser durch diesen Weg verbunden. Auf einer früheren Karte aus dem Jahr 1824 sind nur vereinzelt Gebäude vorhanden, jedoch ohne erkennbaren Weg. Noch im Jahr 1913 hat die Gemeinde Stiepel die Straße als „Interessentenweg“, d.h. private Anliegerstraße, eingestuft. Öffentlich zu begehen war nur das Stück bis etwa zu der heute noch als Schafweide genutzten Wiese, danach war es ein reiner Privatweg, der zudem einen anderen Verlauf hatte als die heute ausgebaute Straße.

Die erste Bezeichnung „Müsenstraße“, die im Jahr 1909 vergeben wurde, erinnerte an die Erzfelder Müsen, die in den Gemeindeteilen Brockhausen und Schrick gelegen waren und insbesondere im Tiefbau über „Schacht David“ abgebaut wurden. Schacht David war hinter dem Waldstück am Ende des heutigen Straßenverlaufs gelegen. Der verfüllte Schacht befindet sich genau an dem Imkerei-Stand am Fußweg vom Ende der Straße herunter zur Ruhr / Brockhauser Straße. Vielen ist dort in unmittelbarer Nähe die Holz-Schutzhütte eher bekannt.

Noch gut erkennbar: der Deckel des verfüllten "Schacht David"

Noch gut erkennbar: der Deckel des verfüllten “Schacht David”

Der Name Müsen ist zurückzuführen auf das Dorf Müsen im Siegerland, das für seinen Erzbergbau bekannt war. Das in Stiepel gefundenen Erz wurde dort analysiert. Im Erzfeld Müsen wurde in der Zeit von 1857 bis 1873 Spateisenstein für die Hochöfen der Henrichshütte in Hattingen gefördert.

Die Umbenennung der Straße auf „Im Pastoratsbusch“ im Jahr 1929 erinnert an einen zeitlich noch davor liegenden örtlichen Bezug. Zur Herkunft der Bezeichnung „Pastoratsbusch“ müssen wir bis zur sogenannten Markenteilung des Jahres 1786 zurückgehen. Hintergrund und Details zur Markenteilung sind in der Festschrift „1000 Jahre Dorfkirche Bochum Stiepel“ durch Dr. Klaus Eichholz ausführlich beschrie­ben. Der bis zum Jahr 1786 durch die alteingesessenen Bauernhöfe, die kleineren Kötter sowie die adeligen Besitzer des Hauses Kemnade gemeinschaftlich genutzte Wald, die Stiepeler Mark, wurde entsprechend der über Jahrhunderte festgelegten Holz- und Weiderechte in Privatbesitz überführt. Die jeweiligen Mitglieder dieser drei Gruppen, die sogenannten Markgenossen, erhielten aus dem bis dahin gemeinschaftlich genutzten Wald einen ihren alten Nutzungsrechten entsprechendes Eigentum übertragen.

Straßenschild: Im Pastoratsbusch

Straßenschild: Im Pastoratsbusch

Einen Teil des Waldes erhielt aber auch die Kirchengemeinde, das evangelische Pastorat. Dieser Teil des Waldes lag in einem Gebiet, das sich in etwa mit der heutigen Minister- und Kemnader Straße, über den Lupinenweg und den oberen Bereich der Gräfin-Imma-Straße bis zum Gebiet um bzw. zwischen den Straßen Im Pastoratsbusch und Henkenbergstraße umreißen lässt. Dieser ab 1786 im Besitz des Pastorats befindliche „Kirchenwald“ wurde deshalb seit dieser Zeit Pastoratsbusch genannt. In einer Urkunde aus dem Jahr 1827 bezeichnet zum Beispiel der seinerzeitige Pastor dieses Gebiet als „… einen dem hiesigen Pastorat zugehörigen Buschdistrict in Mittelstiepel “. In Grundbüchern aus der Zeit vor 1900 lautet die Flurbezeichnung beispielsweise für den Bereich des heutigen Lupinenwegs „Acker Pastoratsbusch“. Der letzte bewaldete Teil des Pastoratsbusches lag unmittelbar an der heutigen Gräfin-Imma-Straße im Bereich um die Henkenbergstraße. Er wurde im Jahr 1869 durch das Pastorat an einzelne Kleinkötter verkauft und urbar gemacht. Die Größe dieser zuletzt verkauften Parzellen betrug 2 preußische Morgen, d.h. rund 5.000 m².

Die Postkarte (vermutlich vor 1920) gibt den Blick wieder von der heutigen Gräfin-Imma-Straße in Höhe des griechischen Restaurants in Richtung Pastoratsbusch / Henkenberg

Die Postkarte (vermutlich vor 1920) gibt den Blick wieder von der heutigen Gräfin-Imma-Straße in Höhe des griechischen Restaurants in Richtung Pastoratsbusch / Henkenberg

Im Mailand

Das einst beschauliche und landwirtschaftlich geprägte Dasein dieser Straße wird heute durch das Grün des Golfplatzes dominiert. In der zeitlichen Entwicklung gab es zunächst den bereits in der Preußischen Gemeindekarte von 1824 so benannten “Grüner Weg”. Dieser führte von der heutigen Hevener Straße kommend westlich am Hof des Landwirts Haarmann-Erley vorbei hinunter zur Ruhr, in etwa bis zum Hof Oveney / Behrenbeck. Die Farbe Grün schien eine besondere Bedeutung haben, die später als “Mailänder Hof” bekannte Wirtschaft trug (zumindest) in der Zeit nach 1900 den Namen “Zum Grünen Jäger”.

Grüner Weg: Preußischen Gemeindekarte von 1824

Grüner Weg: Preußischen Gemeindekarte von 1824

Grüner Weg auf einem Luftbild von 1926.

Grüner Weg auf einem Luftbild von 1926.

Von oben kommend teilt sich die Straße heute in zwei Teile. Der obere (nördliche) Teil ist der ältere. An ihm liegen einige wenige Häuser, die überwiegend ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts errichtet wurden. Dieser Teil der Straße ist auch heute noch in einem eher “gemütlichen” Zustand. Wohlgemerkt ist die Straße als solche die ältere, nicht die Häuser. Der heute als breite Straße ausgebaute untere (südliche) Teil ist im Jahr 1912 entstanden. Nach der Erstellung des ersten Stiepeler Ortsstatuts im Juni 1909, welches u.a. die Vorschriften für den öffentlichen Wegebau enthielt, und nach Einführung von Straßennamen Ende 1909, hat die Gemeindevertretung im Jahr 1910 beschlossen, den zunächst als Mailandstraße benannten Weg auszubauen. Vorher waren die im unteren Teil liegenden, auf alten Karten so bezeichneten Schricker Höfe nur über einzelne Wirtschaftswege zu erreichen, die vom oberen Teil der Straße herunterkamen. Namentlich waren das die Höfe Wollenweber (heute Hoffstiepel), Wefelscheid/Hellermann (heute ebenfalls Hoffstiepel), Elbert (heute Rautwurm) und Haarmann (später Wittkop). Diese Häuser wurden ab dem 17./18. Jahrhundert errichtet.

An der Gabelung geht es nach oben in den äteren Teil der Straße

An der Gabelung geht es nach oben in den äteren Teil der Straße

Kartenausschnitt von1885. Gut zu erkennen: die Schricker Höfe noch ohne Straßenanbindung

Kartenausschnitt von1885. Gut zu erkennen: die Schricker Höfe noch ohne Straßenanbindung

Im Dezember 1912 schrieb der Märkische Anzeiger: “Einen schwierigen Wegebau führt man augenblicklich durch. Die bisher kaum als Weg zu nennende Mailandstraße wird zu einer breiben Fahrstraße ausgebaut. Der Weg wird dann unterhalb der Wirtschaft “Zum Grünen Jäger” gebaut und mündet in seinem oberen Teil wieder in die Mailandstraße.” Fortan wird die Straße als öffentlicher Gemeindeweg eingestuft.

Der Name Mailand hat natürlich nichts mit der italienischen Stadt zu tun, sondern dürfte aus dem Mittelniederdeutschen stammen. Dort bedeutet “meien” = mähen. In seinem Buch “Flurnamen als Straßennamen” vermutet G. Nowak deshalb, dass das Land ursprünglich als Wiesenland genutzt wurde, auf dem das Gras nicht abgeweidet, sonder gemäht wurde, um im Winter als Viehfutter zu dienen. Im Zuge der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 wurde die Straße umbenannt in “Im Mailand”. Warum genau diese nur wenig veränderte Bezeichnung gewählt wurde, lässt sich heute nicht mehr nachvollziehen.

Die Elektrizität kam übrigens später ins Mailand als in das restliche Stiepel. Während zunächst Ende 1911 ein Streifen entlang der heutigen Kemnader Straße sowie das Stiepeler Dorf mit Strom versorgt wurden, haben die Anwohner des Mailands erst im Juni 1919 die “Versorgung mit elektrischem Licht und Kraftleitung” bei der Gemeinde beantragt. Im August 1924 hat sich die Elektrizitätswerke Westfalen AG dann bereit erklärt zur “… Versorgung der Ortsteile Mailand und Brockhausen.” Dazu wurde festgehalten: “Das Gesamtprojekt kostet rund 1700 Goldmark. Von diesem Betrage haben die Anlieger sofort 1000 M aufzubringen.”

Heute wird die Straße geprägt durch den Golfplatz, zu dem die anliegenden (ehemaligen) Schricker Höfe sowie der Hof Haarmann-Erley große Teile ihres Landes beisteuerten.

Henkenbergstraße

Die Straße hat vielleicht eine ungewöhnliche Bezeichnung, sie lässt sich aber leicht erklären. Der erste Name „Hochstraße“, der im Jahr 1909 vergeben wurde, lässt sich nur über die Höhenlage herleiten. Immerhin ist dort-nach dem Bereich Ministerstraße / Kalkampsweg- die zweithöchste Stelle Bochums.

Wer von der Ruhr aus auf den Henkenberg hinauf geht, kann die Bezeichnung leicht nachvollziehen. Bereits vor Einführung der Straßennamen gab es am Beginn der Straße, die noch im Jahr 1913 durch die Gemeinde Stiepel als „Interessentenweg“, d.h. private Anliegerstraße, eingestuft wurde, die „Schankwirtschaft zur steilen Höh“. Vielleicht hat diese Bezeichnung die Namensfindung für die Straße beeinflusst. Die Wirtschaft wurde im Jahre 1919 geschlossen, die Räumlichkeiten dienten dann dem ersten Stiepeler Arzt, Dr.med. Gerhard Gilbert, als feste Praxisräume. Heute praktizieren dort eine Kinderärztin und ein Allgemeinmediziner.

Schankwirtschaft zur steilen Höh / Praxisräume Dr. Gilbert (Foto: Archiv W. Dickten)

Schankwirtschaft zur steilen Höh / Praxisräume Dr. Gilbert (Foto: Archiv W. Dickten)

Zur Erklärung der Bezeichnung „Henkenberg“ müssen wir bis zur sogenannten Markenteilung des Jahres 1786 zurückgehen. Hintergrund und Details zur Markenteilung sind in der Festschrift „1000 Jahre Dorfkirche Bochum Stiepel“ durch Dr. Klaus Eichholz ausführlich beschrieben. Der bis zum Jahr 1786 durch die alteingesessenen Bauernhöfe, die kleineren Kötter sowie die adeligen Besitzer des Hauses Kemnade gemeinschaftlich genutzte Wald, die Stiepeler Mark, wurde entsprechend der über Jahrhunderte festgelegten Holz- und Weiderechte in Privatbesitz überführt. Die jeweiligen Mitglieder dieser drei Gruppen, die sogenannten Markgenossen, erhielten aus dem bis dahin gemeinschaftlich genutzten Wald einen ihren alten Nutzungsrechten entsprechendes Eigentum übertragen.

Der Name „Henke“ ist ein alter Stiepeler Hof- und Familienname. Der Hof Henke an der Brockhauser Straße wird im Jahr 1220 erstmalig erwähnt. Im Zuge der beschriebenen Markenteilung erhielt der Hof im Jahr 1786 die größte Fläche des bewaldeten Berges, der unmittelbar hinter dem Hof beginnt. Neben der schon vor dieser Zeit gebräuchlichen Bezeichnung „Henkenhof“ hatte sich seitdem auch der Begriff „Henkenberg“ etabliert. Die Straße, die in dieses kleine Waldgebiet führt, wurde nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum im Jahr 1929 entsprechend in Henkenbergstraße umbenannt.

Der ehemalige Hof Henke an der Brockhauser Straße, heute im Besitz des Landwirts Große-Munkenbeck

Der ehemalige Hof Henke an der Brockhauser Straße, heute im Besitz des Landwirts Große-Munkenbeck

Bis zur Markenteilung gehörte über Jahrhunderte der jeweilige Besitzer des Hofes Henke zu den sogenannten Schären.
Diese führten Aufsicht über die Einhaltung der zugewiesenen Nutzungsrechte in der Stiepeler Mark. Übrigens gab es früher vor dem Hof Henke eine Sumpfstelle (später dann einen Teich), welche der Überlieferung nach als Verdammungsort für hartnäckige Junggesellen galt, so formuliert es R. Jahn im Jahr 1926 in seinem Aufsatz „Die Flurnamen des Amtes Blankenstein“.

Untrennbar verbunden mit der Straße ist die Wirtschaft „Haus Henkenberg“, die im Jahr 1926 eröffnet wurde. Dort wurde 1927 der „Schützenverein Henkenberg“ gegründet, die heutige Kompanie Henkenberg des Stiepeler Schützenvereins. Im Außenbereich fand über Jahre das Königsschießen statt. Um 1930 befand sich bei Haus Henkenberg für einige Jahre eine Segelflugschule. Teile des Waldes wurden erst in den 1960er Jahren wieder aufgeforstet, so dass unter Haus Henkenberg ein freier Hang war. Gelandet wurde in den Ruhrwiesen.

Haarholzer Straße

Sie ist eine der “jüngeren” Straßen Stiepels. Auf Karten ist der Großteil des heutigen Straßenverlaufs zwar erst nach 1900 zu erkennen, dafür lagen an ihr zwei der bedeutendsten Gebäude der jüngeren Stiepeler Geschichte: Haus Frische und Witthüsers Windmühle.

Die Namensgebung für die einzelnen Abschnitte dieser Straße hat sich seit Einführung von Straßennamen in 1909 mehrfach geändert. Der eigentliche und erstmals auf einer Gemarkungskarte von 1878 eingezeichnete Beginn des Weges lag an der heutigen Hevener Straße. Dies ist jetzt die Sackgasse, die zur Städtischen Kindertagesstätte, der ehemaligen „Schule auf dem Schrick“, führt. Daher rührt auch der erste in 1909 vergebene Name „Schulstraße“. Der heutige Beginn der Straße (ab der Kurve der Kemnader Straße) wurde Anfang der 1970er Jahre komplett neu erstellt. Vorher war dies bis zum Abzweig zur Hevener Straße nur ein Schotterweg, der etliche Meter weiter südlich, unmittelbar an den Häusern entlang verlief. Beginnend ab der Kemnader Straße hieß der erste Teil des Weges ab 1909 „Poststraße“, da im damaligen Haus Frische eine der Stiepeler Poststellen untergebracht war. Die Poststraße erhielt nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum im Jahr 1929 zunächst den Namen Schricker Straße. Die Bezeichnung „Schrick“ ist eine alte Flurbezeichnung, die schon in der Preußischen Gemeindekarte aus dem Jahr 1823 erwähnt wird. Der Name ist seit jeher die Bezeichnung für die gleichnamige Bauerschaft. Nach 1930 wurde die Schricker Straße umbenannt in „Auf dem Schrick“. Gleichzeitig wurde der nach Norden verlaufenden Abzweig „Unterm Schrick“ benannt.

Nur der zur Haarstraße verlaufende untere Teil der Straße hieß seit 1929 durchgängig „Haarholzer Straße“. Erst mit dem Neubau der Straße Anfang der 1970er Jahre hatte sie dann durchgehend diesen Namen, der sich aus dem Waldgebiet „Haarholz“ ableitet. Dies zeigte sich auch vor Einführung der offiziellen Straßennamen in 1909 daran, dass der östliche Teil der heutigen Haarstraße, etwa ab der Grimbergstraße bis zur Einmündung auf die Hevener Straße, im Volksmund „Haarholzerweg“ genannt wurde.

Stadtpläne aus unterschiedlichen Jahren zeigen die sich ändernde Namensgebung:

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1927

1929

1929

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1959

Im Jahr 1838 hat Christian Witthüser ein Stück des Haarholzes erworben und urbar gemacht, 1908 wurde dort eine Windmühle für das Mahlen von Getreide und den Antrieb von landwirtschaftlichen Maschinen errichtet (heute das Haus Rotteland 65). Die Windmühle, einst ein Stiepeler Wahrzeichen, wurde Ende der 1950er Jahre abgerissen.

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Einst ein Stiepeler Wahrzeichen: Witthüsers Windmühle (Foto: Archiv W. Dickten)

Über Haus Frische lesen Sie bitte unter der Rubrik “Bauwerke” einen separaten Text.

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Luftaufnahme 1935: Haus Frische mit Saal, darunter der Garten. Oben rechts ist der Weg “Auf dem Schrick” zu erkennen, noch auf der südlichen Seite der Häuser. Foto: RVR / Archiv W. Dickten

Der Name Frische hat sich im Sprachgebrauch der Stiepeler aber erhalten. Über den Bereich rund um die Haarholzer Straße wird auch heute noch mit den zwei Bezeichnungen “Auf dem Schrick“ und „Frische“ gesprochen. Dies zeigte sich auch in der Namensgebung der früheren Straßenbahnhaltestelle (Endstelle Linie 5) und jetzigen Bushaltestelle „Haarholzer Straße“. Diese hieß bis 1978 „Stiepel Frische“ und war Synonym für diesen Teil Stiepels.

Gräfin-Imma-Straße

Der erste, im Jahr 1909 vergebener Name war eigentlich selbsterklärend: Kirchstraße. Sie war der Verbindungsweg zwischen den Gemeindeteilen Haar und Brockhausen und führte -bis 1904 jedoch über den „Umweg“ der heutigen Brüggeneystraße- zur Dorfkirche. Im Zuge der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 wurde die Straße in „Gräfin-Imma-Straße“ umbe­nannt. Dazu später mehr. An ihr befinden sich einige für die Stiepeler Geschichte interessante Gebäude, die wir vom Start der Gräfin-Imma-Straße an der Kemnader Straße aufzählen wollen. In der heutigen Hausnr. 12 befand sich bis 1919 die „Schankwirtschaft zur steilen Höh“, danach dienten die Räumlichkeiten dem ersten Stiepeler Arzt, Dr. Gerhard Gilbert, als feste Praxisräume.

Heute praktizieren dort eine Kinderärztin und ein Allgemein­mediziner. Die Hausnr. 37 ist das in der Preußischen Gemeindekarte von 1823 noch als „Kleine-Oekey“-Kotten eingezeichnete Gebäude. Durch Heirat änderten sich die Namen der Besitzer im Jahr 1821 in Krunke und ab 1871 (bis heute) in Buderus.

Der ehemalige Kleine-Oekey-Kotten, Foto ca. 1890, heute Hausnr. 37, eines der frühesten Häuser an der Straße. Auf seinem Grund und Boden ist Anfang der 1960er Jahren der Großteil des heutigen Lupinenwegs entstanden.

Der ehemalige Kleine-Oekey-Kotten, Foto ca. 1890, heute Hausnr. 37, eines der frühesten Häuser an der Straße. Auf seinem Grund und Boden ist Anfang der 1960er Jahren der Großteil des heutigen Lupinenwegs entstanden.

Hausnr. 48, heute ein griechisches Restaurant, wurde im Jahr 1913 als Wirtschaft von Heinrich Schreier errichtet, später betrieben von Familie Steinsträßer.

Besonders erwähnenswert ist die heutige Hausnr. 56. Darin befand sich von 1892 – 1970 die sog. Sonntagsschule von August Hahnefeld, siehe auch der eigene Artikel unter „Was es sonst noch gibt“ auf dieser Seite.

Weiter geht’s mit der Hausnr. 119, das war die vielen älteren Stiepelern noch bekannte Wirtschaft „Hasenkamp“ von der man nur mit dem plattdeutschen Zusatz „im Schlohp“ bzw. „im Schlöprigen“ sprach (auf Hochdeutsch: „im Schlaf“). Diese Bezeichnung war der Überlieferung nach auf die manchmal schleppende Bedienung zurückzuführen. Erwähnenswert sind auch die beiden an der Straße liegenden Bauernhöfe Große Munkenbeck und Monstadt („im Felde“). Landwirt Große Munkenbeck betrieb gegenüber der Straße „Am Hang“ von 1951 – 1965 die Steinkohlenzeche „Mit Gott gewagt“.

In Richtung Kirche ging der Verlauf der Straße ursprünglich rechts in die heutige Brüggeneystraße. Zunächst beschließt die Gemeindevertretung Stiepel aber am 3. Februar 1904 mit fünf gegen zwei Stimmen, „… die Erdaufschüttung auf dem Wege von Monstadt bis zur Kirche vorzunehmen, unter der Bedingung, daß die Anlieger den vorhandenen Fußweg in der Breite von 2 Metern frei hergeben.“ Im März 1904 werden dann mit den Landwirten Monstadt und Schulte Hoffstiepel Verträge über die Abgabe von Grund und Boden geschlossen. Es heißt unter anderem im Vertrag mit Landwirt Gustav Monstadt: „… Grund und Boden zum Bau des Weges von seinem Hause in der Richtung nach der Kirche in der Breite von zwei Metern unentgeltlich herzugeben.“ Und weiter: „ … durch den Wegebau in Anspruch genommenes Land soll mit 10 Mark pro Quadratruthe seitens der Gemeinde erworben werden.“ Die ursprünglich nur als Fußweg vorhandene direkte Verbindung bis zur Kirche wurde somit als „Straße“ ausgebaut. In den 1970er Jahren wurde der Straßenverlauf auf den letzten 100 Metern verändert: Ursprünglich verlief sie zwischen Kirche und der Wirtschaft „Zum Wilhelmstein“, nach zwei 90-Grad-Kurven kommt sie jetzt gegenüber der Straße „An der alten Fähre“ aus. Vor der Wirtschaft wurde bis in die 1960er Jahre am Kirmessamstag der jährliche Viehmarkt abgehalten.

Blick auf die Gräfin-Imma-Straße und die Dorfkirche. Das Entstehungsjahr dieses Fotos ist nicht bekannt, vermutlich in den 1930er Jahren. Die Baracke auf dem Feld vor der Kirche hat dort zumindest seit den 1920er Jahren gestanden, sie hat zu Wohnzwecken gedient und ist nach 1950 abgerissen worden.

Blick auf die Gräfin-Imma-Straße und die Dorfkirche. Das Entstehungsjahr dieses Fotos ist nicht bekannt, vermutlich in den 1930er Jahren. Die Baracke auf dem Feld vor der Kirche hat dort zumindest seit den 1920er Jahren gestanden, sie hat zu Wohnzwecken gedient und ist nach 1950 abgerissen worden.

Mit der Umbenennung in Gräfin-Imma-Straße im Jahr 1929 blieb der Bezug zur Kirche durch die Wahl des Namens der Stifterin erhalten. Allerdings ranken und vermischen sich um die vermeintliche Stiftungsurkunde aus dem Jahre 1008 sowie die historischen Hintergründe aus jener Zeit viel Legende, Wahrheit und nicht belegbare Überlieferung. Daher wollen wir an dieser Stelle nicht auf die Geschichte der Gräfin Imma eingehen. Tatsache ist aber, dass sich diese historische Persönlichkeit in der Wahrnehmung vieler Stiepeler zu einer Identifikationsfigur entwickelt hat. Außer der Straße ist die Stiepeler Grundschule sowie ein Kindergarten in Stiepel-Dorf nach ihr benannt.

Auf dem Stadtplan 1966 verläuft die Straße noch zwischen Kirche und der Wirtschaft „Zum Wilhelmstein“. Auch zu sehen: gegenüber der Straße „Am Hang“ ist das Betriebsgelände der Zeche „Mit Gott gewagt“ eine grau schraffierte Fläche.

Auf dem Stadtplan 1966 verläuft die Straße noch zwischen Kirche und der Wirtschaft „Zum Wilhelmstein“. Auch zu sehen: gegenüber der Straße „Am Hang“ ist das Betriebsgelände der Zeche „Mit Gott gewagt“ eine grau schraffierte Fläche.

Auf der Stiepeler Gemarkungskarte 1885 gut zu erkennen: der Straßenverlauf geht über die heutige Brüggenenystraße

Auf der Stiepeler Gemarkungskarte 1885 gut zu erkennen: der Straßenverlauf geht über die heutige Brüggenenystraße

Galgenfeldstraße

Sie stellt den alten Verbindungsweg zwischen dem Gemeindeteil Schrick und dem Stiepeler Dorf dar: die Galgenfeldstraße. In Karten vor 1900 auch als „Kirchweg“ bezeichnet, hat sich dieser Name zwar nicht durchgesetzt, verdeutlicht aber eine wesentliche Funktion des Weges. Sein ursprünglicher Verlauf ist nur im oberen Verlauf von der heutigen Hevener Straße kommend bis zum Abzweig der Unterfeldstraße erhalten. Von dort ging er quer durch das „Unterfeld“ in Richtung Stiepel Dorf zur Düsterstraße. Den Verlauf erkennt man, von oben kommend, noch gut als Weg rechts am heutigen Haus Galgenfeldstraße 16 vorbei.

Ausschnitt aus der Stiepeler Gemarkungskarte von 1885, ergänzt um zwei heutige Hausnummern

Ausschnitt aus der Stiepeler Gemarkungskarte von 1885, ergänzt um zwei heutige Hausnummern

Der Beschluss, Straßennamen einzuführen, wurde durch die Stiepeler Gemeindevertretung im November 1908 gefasst. In der Regel wurden solche Namen gewählt, die einen engen örtlichen Bezug hatten, so auch in diesem Fall. Der erste, im Jahr 1909 vergebene Name war „Mühlenstraße“. Um dies zu verdeutlichen, hilft ein Blick auf die Bebauung entlang des Weges. Die Gemarkungskarte von 1885 zeigt genau fünf Gebäude. Neben dem Hof Schulte-Umberg (heute Hausnr. 46) im oberen Teil „drängelten“ sich vier Gebäude an der heutigen Abzweigung zur Unterfeldstraße. Eines dieser vier Gebäude war die sog. „Brenneckens Mühle“, heute das Haus Galgenfeldstraße 16. Der Überlieferung nach handelte es sich um eine Ölmühle. Im Einwohnerverzeichnis aus dem Jahr 1891 wird dort „Wilh. Brennecke, Wirth und Müller“ verzeichnet. In den 1920er Jahren hat das Gebäude den Besitzer gewechselt und ist zu einem reinen Wohnhaus umgebaut worden.

Das von Haus Frische aus in Richtung Süden aufgenommene Foto (Postkarte ca. nach 1910) zeigt sehr wahrscheinlich den Schornstein der Ölmühle (Pfeil)

Das von Haus Frische aus in Richtung Süden aufgenommene Foto (Postkarte ca. nach 1910) zeigt sehr wahrscheinlich den Schornstein der Ölmühle (Pfeil)

Im Zuge der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 musste die Straße umbenannt werden. Wie bei vielen anderen Namensfindungen auch, wurde auf damals schon historische Hintergründe zurückgegriffen. Die Bezeichnung „Galgenfeld“ ist eine alte Flurbezeichnung, niedergeschrieben findet sie sich u.a. in der Preußischen Gemeindekarte von 1823. Die Flurstücke „Im Galgenfelde“ und „Am Galgen“ lagen genau zwischen der heutigen Kemnader Straße und der Galgenfeld-/Unterfeldstraße. Zurückführen lässt sich diese Flurbezeichnung tatsächlich auf den Standort der Stiepeler Hinrichtungsstätte. In den Güter- und Grundflächenlisten der Gemeinden Mittel- und Oberstiepel findet sich zu beiden Seiten der Gemeinde­grenze (die in diesem Teilstück dem Verlauf des Weges entsprach) in öffentlichem Besitz jeweils der „Galgenplatz“. Die Gesamtgröße des Grundstücks betrug 177 preußische Quadratruten = 2.511 m². Heute befinden sich dort in etwa das Haus Unterfeldstraße 1 sowie das bereits als Standort der Mühle genannte Haus Galgenfeldstraße 16. Die letzte Hinrichtung soll der Überlieferung nach im Jahr 1776 vollzogen worden sein. Stiepel besaß zu jener Zeit als lippische Enklave noch eine eigene Gerichtsbarkeit, die in den Händen der adeligen Herren des Hauses Kemnade lag.

Auf der Niemeyerkarte von 1792 als "Gericht" an der heutigen Galgenfeldstraße eingezeichnet:ein Galgen in Dreiecksform

Auf der Niemeyerkarte von 1792 als “Gericht” an der heutigen Galgenfeldstraße eingezeichnet:ein Galgen in Dreiecksform

Im Jahr 1823 im Besitz der Gemeinden Mittel- und Oberstiepel: der Galgenplatz. Die Gemeindgrenze verlief an dieser Stelle entlang der Straße

Im Jahr 1823 im Besitz der Gemeinden Mittel- und Oberstiepel: der Galgenplatz. Die Gemeindgrenze verlief an dieser Stelle entlang der Straße

Das kurze Stück von der heutigen Kemnader Straße bis zur Ecke Unterfeldstraße hieß ab 1909 zunächst „Querstraße“, wurde im Jahr 1929 vom Namen her aber der Galgenfeldstraße zugeschlagen. Als 1970 die Straße „Zum Ruhrblick“ als Abzweig der Galgenfeldstraße erstellt und benannt wurde, sollte sie ebenfalls diesen Namen erhalten. Es wird aber berichtet, dass „einflussreiche“ Anwohner nicht an einer Straße mit diesem recht seltsamen Namen wohnen wollten, also musste etwas Besseres her.

Düsterstraße

Einer der frühesten Wege im eigentlichen Stiepeler Dorf ist die Düsterstraße. An diesem Weg lagen die Häuser einiger auch heute noch bekannter Hof- und Familiennamen, z.B. Schulte zur Oven, Beulmann oder Müser. Eines der schönsten Fachwerkhäuser dürfte der ehemalige Hof Schulte zur Oven gewesen sein. Der Hof wurde 1972 demontiert, um einer typischen 1970er Jahre-Bebauung Platz zu machen. Als Bauernhausmuseum wurde er hinter Haus Kemnade wieder aufgebaut.

Am alten Standort (gegenüber der heutigen Hausnr. 7) ist noch die als Naturdenkmal geschützte Stieleiche zu sehen. Das Haus gehörte postalisch zwar zur früheren Ruhr-, später Kemnader Straße, lag aber unmittelbar an der Düsterstraße.

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Der Hof Schulte zur Oven wurde hinter Haus Kemnade wieder aufgebaut und dient jetzt als Bauernhausmuseum

Erwähnenswert auch die am nördlichen Ende der Straße gelegenen benachbarten Höfe mit dem Namen Beulmann: Oberste und Niederste Beulmann, wobei der letztere Name wohl „ausgestorben“ ist. Der im Jahr 1754 erbaute Hof Niederste Beulmann wurde 1997 abgerissen, an seiner Stelle findet sich heute Hausnr. 23a. Der Hof Oberste Beulmann ist als Hausnr. 25 zwar noch erhalten, ist nach mehreren Umbauten aber in seiner ursprünglichen Form nicht mehr erkennbar.

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Der ehemalige Hof Niederste Beulmann, Foto: H.-D. Eickelbeck

Der Hof Oberste Beulmann in den 1920er Jahren, Foto: H.-D. Eickelbeck

Der Hof Oberste Beulmann in den 1920er Jahren

Die Düsterstraße ist eine der wenigen Straßen, die nach der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 ihren Namen behalten hat. Zur wahrscheinlichsten Erklärung der Namensfindung müssen wir ein paar geschichtliche Hintergründe erläutern. An der Kreuzung der heutigen Kemnader mit der Brockhauser Straße war in früheren Zeiten die eigentliche Dorfmitte, unter anderem mit dem Gerichtsplatz. Auf Mittelniederdeutsch nannte sich solch ein öffentlicher Dorfplatz „Tie“. Davon zeugt der dort ansässige und noch als ehemalige Wirtschaft bekannte Familienname Haarmann-Thiemann. Auf Plattdeutsch sagte man dazu „Haarmann am Thie“. Einige hundert Meter nördlich dieses Gerichtsplatzes, an der Gabelung der heutigen Galgenfeld- und Unterfeldstraße, lag die Stiepeler Hinrichtungsstätte. In einer Karte aus der Zeit vor 1800 findet sich dort die entsprechende Kennzeichnung eines Galgens. Die Düsterstraße, deren Fortsetzung auf der östlichen Seite der Kemnader Straße die heutige Unterfeldstraße war, war somit der Verbindungsweg zwischen Gerichts- und Hinrichtungsstätte. Robert Jahn schreibt im Jahr 1926 in seinem Aufsatz „Die Flurnamen des Amtes Blankenstein“ dazu: „Der arme Sünder aber wurde … durch die düstere Straße zur Hinrichtungsstätte geführt, die am Nordende der Gemarkung lag: auf dem Galgenplatz…“ Er ergänzt noch die überlieferte mundartliche Benennung „inne düüster straote“. Wir können somit davon ausgehen, dass diese Straße bereits vor Einführung der offiziellen Straßennamen im Jahr 1909 im Volksmund so genannt wurde.

Ein Kartenausschnitt aus dem Jahr 1889: über Jahrhunderte gab es genau sechs Häuser an der Düsterstraße

Ein Kartenausschnitt aus dem Jahr 1889: über Jahrhunderte gab es genau sechs Häuser an der Düsterstraße

Brockhauser Straße

Der Name „Brockhausen“ wird heute oftmals nur mit der Straße, die von der historischen Ortsmitte Stiepels an der Kemnader Straße bis zur Kosterbrücke reicht, verbunden. Doch hinter dem Namen steckt viel mehr: ein Hof, eine Straße, ein Ortsteil. Fangen wir einfach bei dem „Kleinsten“ an: Der Hof Brockhaus. Dieser imposante in Naturstein errichtete Hof liegt in unmittelbarer Nähe zur Kosterbrücke (heute: Brockhauser Straße 266). Er wird 1220 das erste Mal urkundlich erwähnt und hatte nach der sogenannten Markenteilung im Jahr 1786 eine Größe von rund 31 ha.

Durch einen fehlenden Erben und eine Heirat im Jahr 1865 änderte sich der Familien- und Hofname in Schulte-Umberg, daher ist der ursprüngliche Name Brockhaus in Stiepel heute nicht mehr geläufig. Ausgehend von diesem Hof wird die Bauerschaft an der Ruhr seit jeher Brockhausen genannt. Auf Plattdeutsch ist immer noch die Bezeichnung „Braiksche Hürwe“ (in etwa: Brockhauser Höfe) geläufig. Analog zu der Bauerschaft wurde -neben Haar, Schrick, Mittel- und Oberstiepel- der (politische) Gemeindeteil entsprechend Brockhausen genannt, wobei er der flächenmäßig größte der fünf Stiepeler Ortsteile war.

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Hof Brockhaus / Schulte-Umberg

Der Begriff „Brock“ stammt aus dem Niederdeutschen, dort beschreibt „Brok“ oder „Bruk“ eine tiefliegende, von Wasser durchbrochene, auch mit Gehölz bestandene Fläche. Genau dies trifft auf das Gebiet unmittelbar nördlich des Ruhrufers auch zu. Wer an die Ausbreitung der Ruhr bei Hochwasser denkt, kann diesen Begriff gut nachvollziehen.

Der Weg durch die Bauerschaft Brockhausen wurde im Jahr 1876 auf einer Länge von 1,9 km und mit einer Breite von 4,5 m als erste befestigte Straße überhaupt in Stiepel ausgebaut. Vielleicht war die Nähe zur Ruhr und die damit verbundene Gefahr von Hochwasser der Anlass für diesen Ausbau. Auf seinem Abschnitt von der Dorfkirche bis zur heutigen Kemnader Straße wurde der Weg erst im Jahr 1899 auf die beschriebene Art mit einer Breite von 6,0 m ausgebaut. Im Jahr 1909 werden in einem Verwaltungsbericht des Kreises Hattingen diese beiden Abschnitte folgendermaßen benannt und beschrieben: der „Weg von der Kosterbrücke zur Kirche“ und der „Weg von Haarmann-Thiemann bis Schule Dorf“ sind „… durchweg mit Packlage u. Kleinschlag aus Sandstein; teilweise auch aus Hochofenschlacke befestigt …“. In diesem Jahr gab es in Stiepel genau 13 solcher befestigter Straßenabschnitte.

Auf der sogenannten Niemeyer-Karte von 1792 ist ersichtlich, dass die Straße zu jener Zeit noch hinter den Höfen, am Hang des Henkenbergs, verlief. Wahrscheinlich war der Schutz vor dem Hochwasser der Ruhr der Grund dafür. Auf der Preußischen Gemeindekarte aus dem Jahr 1824 verläuft die Straße dann über die heute bekannte Strecke vor den Höfen.

Straßennamen wurden in Stiepel im Jahr 1909 vergeben, die heutige Brockhauser Straße war vom Namen her zunächst zweigeteilt. Der Weg durch die Bauerschaft Brockhausen hieß von Beginn an Brockhauser Straße, der Abschnitt von der Kirche bis zur Kemnader Straße zunächst Dorfstraße. Im Zuge der Eingemeindung von Stiepel nach Bochum im Jahr 1929 wurde dieser Abschnitt vom Namen her der Brockhauser Straße zugeschlagen. Die ursprüngliche Bezeichnung „Dorfstraße“ gibt genau das wieder, was sie schlicht und ergreifend war: die Straße durch das Dorfzentrum.

Interessant im Zusammenhang mit der Brockhauser Straße ist die Erschließung Stiepels mit Elektrizität. Im Konzessionsvertrag der Gemeinde Stiepel mit der Elektrizitätswerk Westfalen Aktiengesellschaft vom März 1911 wurden zwei Straßenzüge festgelegt, in denen Stromkabel verlegt wurden. Neben der heutigen Kemnader Straße von der Gemeindegrenze Weitmar aus bis zur Ecke Steilstraße war die heutige Brockhauser Straße von der Kemnader Straße bis zur Straße An der alten Fähre der zweite Abschnitt. Mehr Elektrizität gab es zunächst nicht, mit diesen beiden Straßen waren aber die am dichtesten besiedelten Bereiche Stiepels versorgt. Die Elektrizitätswerk Westfalen Aktiengesellschaft war verpflichtet, die Versorgung in einem Streifen von jeweils 500 m Luftlinie zu beiden Seiten der genannten Straßen anzubieten. Somit war die Dorfstraße vom Ortskern bis zur Kirche ab Ende 1911 elektrifiziert. In der Verlängerung der Brockhauser Straße mussten sich die Anwohner noch 14 Jahre gedulden, erst im Jahr 1925 wurde vor dem ehemaligen Henke-Hof (heute Große-Munkenbeck, Brockhauser Straße 216a) eine Transformatorensäule aufgestellt, die über ein in der Straße verlegtes Hochspannungskabel versorgt wurde.

Trafosäule vor dem ehemaligen Henke-Hof, Erntedank 1939

Trafosäule vor dem ehemaligen Henke-Hof, Erntedank 1939

Im September 1925 hielt die Gemeindevertretung in ihren Sitzungsprotokollen unter dem Punkt „Auskunft über den Stand der Erweiterung des Elektrizitätsnetzes“ fest, dass „… die Lichtanlage in Brockhausen mit dem 29.8.1925 fertiggestellt und mit diesem Tage in Betrieb genommen ist.“ (Die komplette Geschichte der Erschließung Stiepels mit Elektrizität finden Sie auf unserer Homepage unter der Rubrik „Was es sonst noch gibt“ über diesen Link)

Untrennbar mit der Stiepeler Geschichte verbunden ist der ehemalige Hof an der Ecke von Brockhauser- und Nettelbeckstraße. Dort, wo seit einigen Jahren ein Boule-Verein seine Kugeln wirft, stand bis 1973 der Hof Schulte-Hofstiepel. Dieser Schultenhof und seine Besitzer finden ab dem 14. Jahrhundert zahlreiche Erwähnungen in Urkunden und Kirchenakten. Die ursprüngliche Lage des Hofes war etwas nördlich der Kirche auf dem Gelände des 1970 errichteten Kommunalfriedhofs. Bei Ausgrabungen im Jahr 1961 wurden mittelalterliche Fundamente eines Wohnhauses, eines Stallgebäudes und unterschiedlicher Nebengebäude gefunden. Auf dem Luftbild ist dies gut zu erkennen. Nach der sogenannten Markenteilung im Jahr 1786 war der Hof mit einer Gesamtfläche von 51 ha einer der größten in Stiepel.

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Luftbild 1963: Dorfkirche mit Ausgrabungen des mittelalterlichen Schultenhofes, oben rechts der “neue” Hof Schulte-Hofstiepel

Das neue Gehöft mit Wohnhaus, Stall und Scheune wurde vermutlich um 1900 nach einem Brand an der Ecke Brockhauser-/Nettelbeckstraße neu errichtet. Leider konnte der Hof nicht überleben, er war 1973 so weit verfallen, dass die Gebäude von der Stadt Bochum aufgekauft und abgerissen wurden (Informationen entnommen aus: „Zwischen Korn und Kohle – Geschichte der Bauernhöfe in Stiepel, hrsg. vom Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V.).

Der westliche Teil der Brockhauser Straße mit seinen alten Bauernhöfen und der landwirtschaftlich geprägten Struktur ist sicherlich der landschaftlich schönere Teil der Straße. An ihm liegen zwei historisch interessante Gebäude: mit dem Zechenhaus von „Vereinigte Pfingstblume“ eines der wenigen Relikte der Stiepeler Bergbaugeschichte (Brockhauser Straße 126) und mit der Schmiede Kamplade (Brockhauser Straße 105) das Gebäude mit einem der ältesten erhaltenen Stiepeler Handwerksbetriebe. In den Kirchenbüchern wurde bereits Georg Kamplade (1748 – 1827) als Schmied geführt.

Der östliche Teil der Brockhauser Straße, die ehemalige Dorfstraße, birgt mehrere historische Bauwerke. An erster Stelle ist selbstverständlich die Stiepeler Dorfkirche zu nennen, zusammen mit dem unter Denkmalschutz stehenden Kirchhof, d.h. dem Friedhof unmittelbar um die Kirche herum. Die letzte Beerdigung fand dort 1928 statt. Die heutige Hausnr. 65 wurde 1835 als Schulvikariehaus durch die Kirchengemeinde errichtet. Den Klassenraum in diesem Gebäude benutzte die seinerzeit gegenüber liegende Dorfschule bis 1950. Nach einem Umbau wurde das Haus ab 1951 für ein paar Jahre als Gemeindehaus genutzt.

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Ehemaliges Schulvikariehaus, heute Brockhauser Straße 65

Wirtschaft "Zum Altdeutschen", als sie nach 1903 noch zum gegenüberliegenden Hof Voskuhl gehörte, heute Brockhauser Straße 14

Wirtschaft “Zum Altdeutschen”, als sie nach 1903 noch zum gegenüberliegenden Hof Voskuhl gehörte, heute Brockhauser Straße 14

Der Charakter einer echten Dorfstraße war sicherlich auch geprägt durch die zahlreichen Wirtschaften und Geschäfte, von denen einige noch in Betrieb sind. Die Aufzählung der Wirtschaften beginnen wir an der Kemnader Straße, wobei die erste Wirtschaft postalisch auch dorthin gehört: Haarmann-Thiemann (Kemnader Straße 472), danach folgen an der Brockhauser Straße (heutige Hausnummer in Klammern): Puth/Wefelscheid (5, auch Schmiede), Zum Altdeutschen/Meier-Bäumer (14), Krunke (16, später Friseur Stollmann), Zur Sonne/Witthüser (42), Nattkemper (72, später Gemeindehaus), Hasenkamp/Hautkappe (74, mit Metzgerei), Zum Wilhelmstein/Bock (Gräfin-Imma-Straße 212), Witthüser (151, auch Kolonialwaren) und Hofstiepel/Stiepeler Hof (bereits abgerissen). An der Dorfstraße war auch eine der Stiepeler Poststellen, und zwar ab Mitte der 1930er Jahre bis 1965 bei Meier-Bäumer, zuletzt betrieben von Ilse Meier-Bäumer. Anschließend wechselte die Poststelle in die „Sonne“, dort bis in die 1970er Jahre betrieben von Änne Isaak. Der letzte Wechsel erfolgte in das Haus der Familie Hasenkamp, Brockhauser Straße 20. Dort führte sie Edith Hasenkamp rund 25 Jahre.

Am Varenholt

Die Straße “Am Varenholt”ist das erste Mal in der Stiepeler Gemarkungskarte aus dem Jahr 1885 eingezeichnet mit dem Hinweis „Feldweg“. Die Bebauung entlang des Weges begann auch erst zu jener Zeit, Haus Nettelbeck wurde zum Beispiel 1875 eröffnet. Der erste befestigte Ausbau der Straße erfolgte dann im Jahr 1902 auf einer Länge von rund 1,5 km für Kosten von 12.000 Mark „… durchweg mit Packlage und Kleinschlag aus Sandstein … und zum größten Teil mit gepflasterten Seitenrinnen versehen.“ Die Bebauung war stark durch Kötter geprägt, also durch eine landwirtschaftliche Selbstversorgung auf einem kleinen Stück Land. So sind auf dem ersten Bochumer Stadtplan (aus dem Jahr der Eingemeindung 1929) rund 25 Häuser einge­zeichnet.

Einem Verzeichnis über den Bestand an Kühen können wir z.B. entnehmen, dass im Jahr 1936 zu 18 von diesen Häusern der Varenholtstraße insgesamt 20 Kühe registriert waren.

Der erste Bochumer Stadtplan für Stiepel mit der Varenholtstraße nach der Eingemeindung 1929

Der erste Bochumer Stadtplan für Stiepel mit der Varenholtstraße nach der Eingemeindung 1929

Neben der Erschließung von neuem Besiedlungsgebiet diente die Straße auch als Weg zur Kosterbrücke. Die heutige Kosterstraße ist erst ca. 1922 erstellt worden. Als mögliche Wege zur Kosterbrücke gab es bis dahin von Osten her kommend die heutige Brockhauser Straße und aus westlicher Richtung die Krockhausstraße. Daher lag es bei Vergabe der Straßennamen im Jahr 1909 nahe, die Straße als „Brückstraße“ zu bezeichnen. Die (erste) Kosterbrücke wurde von der Henrichshütte im Jahr 1860 einzig für den Transport von Kohlen und Erzen errichtet. Fußgänger durften sie nur bei Hochwasser benutzen. Im Jahr 1910 wurde die (zweite) Kosterbrücke neu errichtet und diente als Verkehrsweg nach Hattingen. Die heutige Brücke wurde 1980 eingeweiht.

Die Bedeutung der Straße nach dem Ausbau im Jahr 1902 geht aus einem Zeitungsartikel vom 14. Mai 1910 hervor, dort ist zu lesen: „In einem saumäßigen Zustande befindet sich schon seit fast einem Jahre die Brückstraße. Im vorigen Frühjahr wurde durch die Straße ein neuer Rohrstrang gelegt, seit dieser Zeit ist der Weg kaum passierbar, obwohl gerade dieser Weg die Hauptverkehrsstraße zwischen Hauptstraße (= heutige Kemnader Straße) und Brücke ist …“ Interessant ist, dass bei den ersten Überlegungen im August 1912 zum Bau einer Straßenbahn­linie die Wahl zunächst auf die Brückstraße fiel. Die Stiepeler Gemeindevertretung war noch der Überzeugung, dass die Brückstraße „… für den allgemeinen Verkehr allen Anforderungen genügt.“ Im September 1913 entschloss sich die Gemeinde­vertretung dann aber „… einstimmig für einen Ausbau der Finkenstraße [= heutige Kosterstraße]. Von der Führung … über die Brückstraße wird … Abstand genommen, weil die Finkenstraße wesentlich günstigere Steigungsverhält­nisse aufweist.“ Bedingt durch den 1. Weltkrieg haben sich der Neubau der Kosterstraße und der Bau der Straßenbahnlinie dann bis in die 1920er Jahre verzögert.

Überlagerung alte und neue Karte: Gebäude "Fahrenholt" in rot eingefärbt

Überlagerung alte und neue Karte: Gebäude “Fahrenholt” in rot eingefärbt

Unterschrift "Fahrenholt" im Stiepeler Urkataster 1823

Unterschrift “Fahrenholt” im Stiepeler Urkataster 1823

Im Zuge der Eingemeindung nach Bochum im Jahr 1929 wurde die Straße in „Varenholtstraße“ umbe­nannt. Wie bei vielen anderen Namensfindungen auch, wurde auf damals schon historische Hintergründe zurückgegriffen. In der Preußischen Gemeindekarte aus dem Jahr 1823 ist am unteren Ende der Straße ein heute nicht mehr bestehendes Gebäude mit der Benennung des seinerzeitigen Eigentümers eingezeichnet: Fahrenholt. Das Haus und das dazugehörige Grundstück lagen vor der ehemaligen Brockhauser Schule, unmittelbar gegenüber der Einmündung der Hülsbergstraße. Legt man mit digitaler Technik alte und aktuelle Karten übereinander, so liegt die Vermutung nahe, dass das Haus beim Ausbau der Straße im Jahr 1902 im Weg gestanden hat. Zu dieser Zeit ist als Eigentümer der Name „Wallbruch“ verzeichnet.

Im Jahr 1979 fand eine weitere Umbenennung statt. Wegen der Verwechslungsgefahr mit der Varenholzstraße im 1975 nach Bochum eingemeindeten Wattenscheid wurde der Name geändert in „Am Varenholt“.

Erwähnt werden sollten die drei aus historischer Sicht bekanntesten Gebäude an der Straße: das Kloster, die ehemalige Brockhauser Schule und die Wirtschaft Nettelbeck.

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Die ehemalige Brockhauser Schule am unteren Ende der Straße in ihrem aktuellen Zustand