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Stiepeler Verein für Heimatforschung e.V.

Der Stiepeler Verein für Heimatforschung in Bochum beschäftigt sich mit der plattdeuschen Sprache, mit der Geschichte von Stiepel, Personen & Straßen.

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gräfin-imma-straße

Hugo Höltermann (1884 – 1944)

8. Juni 2026 von Andreas 1 Kommentar

Hugo Höltermann war nach heutigem Stand der Forschung der einzige Stiepeler, der während der Zeit der NS-Diktatur in einem KZ ums Leben kam. Um diesen Gedanken zu verdeutlichen: Es sind während des 2. Weltkriegs zahlreiche Stiepeler auf andere Weise ums Leben gekommen. Insbesondere als Soldat der Wehrmacht, als Opfer des großen Luftangriffs auf Stiepel vom 13. Mai 1943 oder unter sonstigen Umständen. Hugo Höltermann dürfte jedoch der Einzige gewesen sein, der in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Und das, weil er sich als ein Zeuge Jehovas nicht von seinem strengen christlichen Glauben abbringen lassen wollte.

Hugo Höltermann (1884 - 1944)
Lina Höltermann, geb. Grünendiek (1889 - 1950)
Hugo Höltermann (1884 – 1944) und Lina Höltermann, geb. Grünendiek (1889 – 1950)

Gemeinsam mit seiner Ehefrau Lina, geborene Grünendiek, sind die beiden diejenigen, für die am 8. Juni 2026 die ersten sogenannten Stolpersteine in Stiepel verlegt wurden. Detaillierte Informationen über das Projekt „Stolpersteine“ des Künstlers Gunter Demnig findet ihr auf der Seite https://www.stolpersteine.eu/

Beide, Hugo (*12.08.1884) und Lina (*15.01.1889), entstammen alteingesessenen Stiepeler Familien, das Stammhaus zum Familiennamen Höltermann liegt an der Steilstraße, das Stammhaus zum Familiennamen Grünendiek ist der gleichnamige Hof im Lottental. Nach der Hochzeit im Mai 1909 kommen vier Kinder auf die Welt: Emil, Else, Grete und Paula, sie ziehen in den 1910er Jahren als Mieter in das Haus mit der heutigen Adresse Gräfin-Imma-Straße 49.

Wie fast sämtliche Stiepeler zu jener Zeit waren sie (zunächst) evangelisch. Das älteste Kind, Sohn Emil, wird im März 1923 noch evangelisch konfirmiert, die drei folgenden Töchter finden sich dann nicht mehr auf den Listen aller Konfirmand*innen der Stiepeler Kirchengemeinde. Dies ist ein Indiz dafür, dass Hugo und Lina im Laufe des Jahres 1923 konvertiert sind zur seinerzeit so genannten Glaubensgemeinschaft der Internationalen Bibelforscher.

Im Jahr 1933 wurden kurz nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten sowohl die Organisation der Internationalen Bibelforschervereinigung sowie ihre Literatur und Aktivitäten aufgrund ihres christlich motivierten Widerstands verboten. Wodurch machten sich die Zeugen Jehovas eigentlich „schuldig“? Sie verweigerten den Hitlergruß, den Wehrdienst, den Eintritt in NS-Organisationen und so weiter. Familie Höltermann widersetzte sich dem Druck des NS-Regimes, keine einfache Sache, denn Höltermanns waren in Stiepel als Zeugen Jehovas bekannt. Die Versuche seiner Geschwister, ihn von diesem Glauben abzubringen, haben nicht zum Erfolg geführt.

Die Gestapo bildete im Juni 1936 ein Sonderkommando zur Verfolgung der Zeugen Jehovas. Anfang Juni 1938 wurden die Eheleute festgenommen. Welche Umstände genau zur Verhaftung führten bzw. wer sie möglicherweise denunziert hat, ist nicht bekannt. Somit begann die erste Station des Leidenswegs. Lina kam ins Bochumer Gerichtsgefängnis an der ABC-Straße, Hugo ins Polizeigefängnis an der Uhlandstraße. Das „Sondergericht Dortmund“ verurteilte Hugo im Oktober 1938 zu einer anderthalbjährigen Haftstrafe. Lina wurde zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt.

Nach einer Verlegung ins Zentralgefängnis Bochum ab März 1939 verbüßte Hugo seine Haftstrafe bis Dezember 1939. Er wurde jedoch nicht freigelassen, sondern wurde sofort für zwei Wochen in das Dortmunder Polizeigefängnis, die sogenannte Steinwache, verlegt. Aus der Steinwache heraus wurde er zwar im Dezember 1939 „entlassen“, jedoch sofort ohne Verfahren und Anklage auf unbegrenzte Zeit in sogenannte Schutzhaft genommen und in das KZ Sachsenhausen verschleppt.

Zugangsliste KZ Sachsenhausen (Arolsen Archives, Dok. 4094646)
Zugangsliste KZ Sachsenhausen (Arolsen Archives, Dok. 4094646)

Die Zeugen Jehovas bildeten eine eigene Häftlingskategorie, obwohl es nur rund 25.000 Zeugen Jehovas zu dieser Zeit im gesamten Deutschen Reich gab. Im September 1941 wurde er ins KZ Niederhagen, an der bekannten dreieckigen Wewelsburg verlegt. Dort verbrachte er gut anderthalb Jahre bis zur Auflösung des KZ im April 1943. Seine letzte Verlegung führte ihn im April 1943 ins KZ Ravensbrück, dort wurde er am 27. Oktober 1944 ermordet, er wurde brutal totgeschlagen. Er starb, weil er mutig seinem Gewissen folgte und seinen christlichen Prinzipien bis in den Tod treu blieb.

Überstellung ins KZ Ravensbrück (Arolsen Archives, Dok. 3668387)
Überstellung ins KZ Ravensbrück (Arolsen Archives, Dok. 3668387)

Lina legte gegen ihre Verhaftung 1938 Beschwerde ein – mit Erfolg! Das Sondergericht Dortmund entschied, dass eine Fortsetzung der Untersuchungshaft nicht erforderlich sei, im August 1938 kam sie frei. Sie wurde zwar später durch das Sondergericht Dortmund zu einer zehnmonatigen Haftstrafe verurteilt, aber ihre bereits erfolgte Untersuchungshaft wurde angerechnet, die Strafe wurde zur Bewährung ausgesetzt, später im Gnadenwege erlassen. Lina starb am 28. August 1950 im Alter von gerade 61 Jahren.

Am 8. Juni 2026 wurden die ersten Stiepeler Stolpersteine für Hugo und Lina Höltermann an der Gräfin-Imma-Straße verlegt.

Die ersten Stiepeler Stolpersteine, verlegt am 8.6.2026
Die ersten Stiepeler Stolpersteine, verlegt am 8.6.2026

Kategorie: Persönlichkeiten Stichworte: gräfin-imma-straße, Höltermann, Hugo, KZ Niederhagen, KZ Ravensbrück, KZ Sachsenhausen, Stolperstein, Zeugen Jehovas

Erste Stolpersteinverlegung in Stiepel

31. Mai 2026 von Andreas Kommentar verfassen

Am Montag, 8. Juni 2026, 11.45 Uhr wird neben dem Haus Gräfin-Imma-Straße 49 durch den Künstler Gunter Demnig der erste Stolperstein in Stiepel für Lina und Hugo Höltermann verlegt. Die Familie war als Zeugen Jehovas Opfer der NS-Verfolgung. Hugo Höltermann dürfte der einzige Stiepeler gewesen sein, der während der nationalsozialistischen Diktatur in einem Konzentrationslager ermordet wurde. Am 27. Oktober 1944 wurde Höltermann im KZ Ravensbrück brutal erschlagen.

Bei dem knapp einstündigen Programm der Stolpersteinverlegung sind folgende Programmpunkte vorgesehen: Grußworte des Bezirksbürgermeisters Olaf Peters und des Soziologen und Autors em. Prof. Dr. Dirk Kaesler, Redebeitrag von Uwe Langhals aus dem Vorstand der Arnold-Liebster-Stiftung sowie Lesung durch Schüler:innen des Geschichts-Leistungskurses des Neuen Gymnasiums Bochum. Andreas Finke vom Stiepeler Verein für Heimatforschung e. V. wird die Biografien vortragen. Die Enkelin der Höltermanns, Christel Stoffer, wird einige Worte beitragen. Interessierte sind gerne eingeladen, an der Veranstaltung teilzunehmen!

Zusätzlich von Interesse ist, dass für die Opfergruppe der Zeugen Jehovas am 24. Juni dieses Jahres ein Mahnmal nach einstimmigem Bundestagsbeschluss in Berlin als Würdigung des Widerstands eingeweiht wird.

Erste Stolperstein-Verlegung in Stiepel (Vorderseite)

Erste Stolperstein-Verlegung in Stiepel (Rückseite)

(Hinweis:

Die eigentliche Verlegung der Stolpersteine wird organisiert durch die Stadt Bochum, das Rahmenprogramm durch die private Initiative “Forschungsgruppe LILA WINKEL Bochum-Herne”. Der Stiepeler Heimatverein hat die private Initiative bei ihren Vorbereitungen und Forschungen aktiv unterstützt.)

Kategorie: News Stichworte: Arnold-Liebster-Stiftung, gräfin-imma-straße, Gunter Demnig, Hugo Höltermann, Lina Höltermann, Ravensbrück, Stolperstein, Zeugen Jehovas

Zum Wilhelmstein (Gräfin-Imma-Straße 212)

31. März 2021 von Andreas Kommentar verfassen

Vielen Stiepelern ist die Wirtschaft „Zum Wilhelmstein“ besser bekannt unter dem Namen der langjährigen Betreiberfamilie Bock. Das Baujahr des Hauses und damit der Beginn der von vornherein vorgesehenen Nutzung als Gastwirtschaft sind anhand von Metallziffern am Gebäude ablesbar: 1864. [Weiterlesen…] ÜberZum Wilhelmstein (Gräfin-Imma-Straße 212)

Kategorie: Gastwirtschaften Stichworte: berghüser, bock, Dorfkirche, gräfin-imma-straße, sondermann, Stiepel, wilhelmstein

Zur steilen Höh (Gräfin-Imma-Straße 12)

12. Februar 2018 von Andreas 1 Kommentar

Viele der beschriebenen Gastwirtschaften haben sich unter anderem dadurch ausgezeichnet, dass sie über Generationen von ein und derselben Familie geführt wurden. Bei der Schankwirtschaft „ Zur steilen Höh “, die an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 12 beheimatet war und nach 1919 die Praxisräume des ersten in Stiepel niedergelassenen Arztes waren, ist das genau andersherum. [Weiterlesen…] ÜberZur steilen Höh (Gräfin-Imma-Straße 12)

Kategorie: Gastwirtschaften Stichworte: Gilbert, gräfin-imma-straße, Stiepel, Vohwinkel, Zur-steilen-Höh

Schreier (Gräfin-Imma-Straße 48)

17. September 2017 von Andreas Kommentar verfassen

Heute ist es „Der Grieche“ in Stiepel, doch die Geschichte der Gastwirtschaft an der Gräfin-Imma-Straße 48 beginnt mit Familie Schreier bereits im Jahr 1836 am ursprünglichen Standort auf der anderen Straßenseite schräg gegenüber, heute die Hausnummer 49. Das genaue Jahr des Grundstückerwerbs und des Hausbaues ist nicht bekannt, aber man kann davon ausgehen, dass Heinrich Schreier vor 1824 mit dem Beruf des Leinenwebers nach Stiepel gekommen ist, denn auf der sogenannten Preußischen Gemeindekarte von 1824 ist das Haus bereits eingezeichnet. Das von ihm erworbene, ursprünglich rund 19.000 m² große Grundstück war Teil des seit der sog. Markenteilung 1786 dem evangelischen Pastorat gehörenden Waldstücks, des „Pastoratsbusches“. Auf diesem Grundstück errichtete er zusammen mit seiner Ehefrau Anna Catharina, geborene Wefelscheid, das Fachwerkhaus. Ab 1836 betrieb er dort eine Schankwirtschaft, die später zunächst sein Sohn Friedrich Wilhelm Schreier (* 1841, verheiratet mit Mathilde, geborene Schulte-Schüren), dann sein Enkel Heinrich Schreier (* 1871, verheiratet mit Caroline, geborene Grünendiek) weiterbetrieben. Die beiden letztgenannten Schreiers hatten als Haupterwerb den Beruf des Bäckers, von der Bäckerei zeugt noch der gemauerte außenliegende Kamin an der Ostseite des Hauses. Heute ist dieser Kamin mit Schiefer verkleidet. Neben der Bäckerei betrieben sie einen kleinen Laden und die besagte Gastwirtschaft. Aus dieser Zeit ist im heutigen Garten noch eine Steinplatte erhalten, die, versehen mit neun eingemeißelten kleinen Kreisen, zu einer Außen-Kegelbahn gehörte und als Stellfläche für die Kegel diente.

Das ursprüngliche Haus Schreier mit dem gemauerten Kamin, Schankwirtschaft ab 1836

Das ursprüngliche Haus Schreier mit dem gemauerten Kamin, Schankwirtschaft ab 1836

Erwähnenswert ist der nach 1900 auf dem Grundstück liegende ehemalige Sportplatz. In der Gründerzeit des Fußballs um die vorletzte Jahrhundertwende hatte Stiepel mehrere Fußballvereine, aber keinen vernünftigen Sportplatz. Diesen stellte Wirt Heinrich Schreier auf seinem Grundstück zur Verfügung, und zwar auf der Fläche der heutigen Siedlung Auf der Egge. Allerdings war die Existenz des Sportplatzes nicht von langer Dauer. Im Jahr 1913 verkaufte Heinrich Schreier die Grundstücksfläche, auf der in den 1920er Jahren durch die Gemeinde Stiepel die Siedlung Auf der Egge errichtet wurde. Mit den Erlösen aus diesem Grundstücksverkauf wurde unter Verwendung von Steinen aus dem ebenfalls auf dem Grundstück liegenden Steinbruch im Jahr 1913 schräg gegenüber mit dem Bau der „neuen“ Gastwirtschaft begonnen. Bis 1929 war dies die Kirchstraße 18, nach der Eingemeindung Stiepels nach Bochum die heutige Gräfin-Imma-Straße 48. Zunächst nannte Heinrich Schreier seine Wirtschaft, die ebenfalls eine Kegelbahn und einen Saal beheimatete, „Restauration Zum Sportplatz“. Der Name blieb aber nicht bestehen, die Stiepeler nannten es schlicht „Haus Schreier“. In vierter Generation wurde es danach von August Steinsträßer (* 1895, verheiratet mit Hedwig, geborene Schreier), der ebenfalls Bäcker war, und schließlich in fünfter Familiengeneration von 1950 bis 1965 von Heinz Steinsträßer und seiner Frau Edith betrieben.

Das 1913 erbaute neue Haus Schreier (Postkarte 1914)

Das 1913 erbaute neue Haus Schreier (Postkarte 1914)

Nach 129 Jahren mit fünf Generationen der Familie Schreier wurde die Wirtschaft verpachtet, das Haus wurde später im Zuge einer Erbteilung verkauft.  Im Haus wurde, wie im Vorgängerbau, zunächst eine Bäckerei und bis in die 1970er Jahre ein Lebensmittelgeschäft von Frieda Wegmann, geborene Schreier betrieben. Bis heute erhalten ist das „Kläppchen“, durch das einst die Bergleute auf dem Weg zur und von der Zeche ihren Schnaps kauften (damit sie nicht mit schmutziger Kleidung in die Wirtschaft mussten) und bis in die 1970er Jahre als eine Art Kiosk diente. Seit 1998 steht das Gebäude unter Denkmalschutz. Die Stadt Bochum nennt in ihrer Denkmalliste „baugeschichtliche und volkskundliche Gründe“ und schreibt: „… Auch die malerische Anordnung des dreiteiligen Gebäudes mit dem turmartigen Mittelteil ist typisch für Gasthausbauten der Jahrhundertwende.“

Das erhaltene Kläppchen, Gräfin-Imma-Straße 48

Das erhaltene Kläppchen, Gräfin-Imma-Straße 48

Kategorie: Gastwirtschaften Stichworte: gräfin-imma-straße, schreier, steinsträßer

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