Stiepel

Dr. Rainer Dickhut ist verstorben

Wir trauern um ein Mitglied und einen treuen Freund des Stiepeler Vereins für Heimatforschung e.V. sowie Vorsitzenden des befreundeten Knappenvereins Schlägel & Eisen Stiepel Dorf 1884.

Er wird uns fehlen.

Mit traurigem Glückauf.

Dr. Rainer Dickhut

Dr. Rainer Dickhut

Gewerbe- und Handwerksbetriebe

Dass Stiepel “früher” durch Landwirtschaft, Bergbau und die Henrichshütte in Hattingen geprägt war und viele Stiepeler dort ihren Lebensunterhalt verdienten, ist bekannt. Doch welche Gewerbe- und Handwerksbetriebe waren ansässig? Wir versuchen, diese nach und nach darzustellen. Dazu sind wir auf Deine Unterstützung angewiesen! Wir würden uns freuen, wenn Du uns Fotos, Dokumente oder andere Dinge rund um Gewerbebetriebe in Deinem Umfeld zur Verfügung stellst.

Eine kleine Chronik der Metzgerei Parr

Die Geschichte der Familie Parr beginnt in Hessen, im kleinen Ort Kirchlotheim. Der dort im Jahr 1834 geborene Johann Daniel Parr verdiente seinen Unterhalt als Tagelöhner. Wie so viele andere auch wanderte er in den 1860er Jahren ins Ruhrgebiet ein, um sich eine Existenz als Bergmann aufzubauen. In Hattingen erfolgte im Jahr 1866 die Gründung einer Familie: In jenem Jahr findet die Hochzeit mit Alwine Striebeck statt und der Sohn Heinrich Gustav Parr wird geboren. Mit seiner Familie verschlägt es ihn dann um 1875 nach Stiepel, wo der genannte erstgeborene Sohn im Jahr 1889 die Friederike Lisette Hoffstiepel heiratet. In dieser Ehe wiederum wird am 10. März 1893 Heinrich Gustav Parr junior geboren, der später die gleichnamige Metzgerei gründen wird. Doch der Reihe nach. 1907 beginnt er im Alter von 14 Jahren eine Metzgerlehre in Weitmar, ab 1911 führen ihn die Gesellen- und Wanderjahre nach Gelsenkirchen, Elberfeld und Lütgendortmund. Von 1915 bis 1918  muss er am 1. Weltkrieg teilnehmen, ab 1919 arbeitet er dann auf der Henrichshütte in Hattingen. Erst im September 1929 meldet er ein Gewerbe als „Fleisch- und Fettwarenhandlung“ mit der Adresse Finkenstraße 11 an. Dies ist der Beginn der Metzgerei Parr an der heutigen Kosterstraße.

Familie Parr hatte zwar Wohneigentum an der heutigen Straße Am Varenholt, für die Metzgerei wurden aber Räumlichkeiten angemietet. Wohl weil dieser Standort an der Kosterstraße zu abgelegen war, wechselte Heinrich Gustav Parr nach ca. zwei bis drei Jahren zum zweiten Standort in ein Geschäftslokal im Hause der Wirtschaft Westermann an der Kemnader Straße 200. Auch wenn diese Stelle aus heutiger Sicht vielleicht ebenfalls als relativ abgelegen erscheint, seinerzeit war dies eine stark frequentierte Ecke. Die Wirtschaft Westermann selber brachte Kundschaft, gegenüber war das Stiepeler Gemeindehaus (später die Verwaltungsstelle der Stadt Bochum) und an der Straßenbahnhaltestelle der Linie Welper-Bochum stieg so mancher ein und aus, insbesondere die Arbeiter der Henrichshütte, die sich von dort aus in das restliche Stiepel verteilten.

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955)

Metzgerei Parr: Zweiter Standort Kemnader Straße 200 (Westermann, 1953). Vorne rechts: Gustav und Ilse Parr

Der am 26. März 1923 geborene Sohn Georg Gustav Parr ging ab April 1937 in die Lehre bei seinem Vater und legte im Oktober 1940 die Gesellen-, im November 1947 die Meisterprüfung ab. Im Jahr 1954 erwarben Georg Gustav Parr, der die Metzgerei seines Vaters mittlerweile übernommen hatte, und seine Frau Ilse, geborene Best, von Landwirt Schulte-Schüren ein Stück Land schräg gegenüber der Wirtschaft Westermann (neben dem Gemeindehaus) und errichteten dort den dritten Standort. Die Geschäftseröffnung im Neubau an der Kemnader Straße 201 wurde unmittelbar nach der Stiepeler Kirmes 1955 gefeiert.

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955)

Metzgerei Parr: Dritter Standort Kemnader Straße 201 (1955). Davor ein Oberleitungsmast der Straßenbahnlinie 5.

Im Jahr 1978 beendete das Ehepaar Parr seine berufliche Laufbahn. Nach 49 Jahren und zwei Generationen endete die Geschichte der Metzgerei Parr. Das Geschäft wurde an das Ehepaar Birkenfeld verpachtet, die es bis ca. 1985 unter ihrem Namen weiterführten. Übrigens schien der Name „Parr“ schwierig auszusprechen gewesen zu sein. Bei den meisten Stiepelern wurde beim gesprochenen Wort einfach der Buchstabe „e“ angehängt, so dass man immer zur Metzgerei „Parre“ ging.

Metzgerei Parr: Wiedereröffnung durch Birkenfeld (1978)

Metzgerei Parr: Zeitungsanzeige zur Wiedereröffnung durch Birkenfeld (1978)

Sattlerei Schilling

An der Gräfin-Imma-Straße war die Sattlerei Schilling beheimatet, Heinrich Schilling ließ sich dort um 1930 vor seinem Geschäft ablichten. Das Rechnungsformular im Hintergrund stammt aus den 1940er Jahren.

Sattlerei Schilling Stiepel

Sattlerei Schilling Stiepel

Luftangriff Mai 1943

Im Mai 1943 erlebten Stiepel und andere Stadtteile des Bochumer Südens den für sie schwersten Luftangriff des 2. Weltkriegs. Er war Teil der fünf Monate währenden britischen Luftoffensive, bei der praktisch sämtliche Großstädte an Rhein und Ruhr bombardiert wurden. Was für die Bochumer Innenstadt -gemessen an den Treffern und Zerstörungen- der 4. November 1944 darstellt, ist für Stiepel die Nacht vom 13. auf den 14. Mai 1943.

Der Stiepeler Heimatverein hat versucht, die bei diesem Angriff komplett zerstörten Gebäude sowie die ums Leben gekommenen Personen zu ermitteln, um so eine Schneise mit den schwersten Schäden grafisch darzustellen (Stand: Mai 2018 zum 75. Jahrestag). Dazu sind im Stadtplan des Jahres 1939 die (komplett) zerstörten Gebäude mit einem roten Stern versehen. Diejenigen Häuser, in denen außerdem Tote zu beklagen waren, sind zusätzlich schwarz umkreist. Angemerkt sei, dass der Stiepeler Heimatverein neben seinen eigenen Kenntnissen auf Hinweise aus einem Leseraufruf des Stiepeler Boten angewiesen war. In Summe kann dabei durchaus ein zerstörtes Gebäude übersehen worden sein. Die Anzahl der bei diesem Angriff ums Leben gekommenen Personen wurde hingegen exakt ermittelt. Hierzu konnten im Bochumer Stadtarchiv Aufzeichnungen der damaligen Stadtverwaltung ausfindig gemacht werden.

Das Ergebnis der Forschungen lässt sich auf dem Stadtplan gut ablesen. Die Schneise der Zerstörung zog sich, beginnend an der Kemnader Straße (Ortsgrenze Weitmar) in Richtung Süden über den Henkenberg mit letzten Treffern an der Galgenfeldstraße und dem Wasserwerk an der Ruhr.

Stadtplan 1939: rot markiert = komplett zerstörte Gebäude; schwarz umkreist = Gebäude mit Toten (mit Genehmigung des Amtes für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367)

Stadtplan 1939: rot markiert = komplett zerstörte Gebäude; schwarz umkreist = Gebäude mit Toten (mit Genehmigung des Amtes für Geoinformation, Liegenschaften und Kataster der Stadt Bochum, Kontrollnummer: BO/11/367)

Als markantes Gebäude wurde die Stiepeler Ziegelei (Standort: heutiger Sportplatz) so schwer beschädigt, dass sie die Produktion auch nach dem Krieg nicht wieder aufnahm und 1952 abgerissen wurde. Der damalige Vikar der Katholischen Kirchengemeinde, Johannes Plitt, notierte in seiner Chronik: „ … die Mine, die hinter der Ziegelei heruntergekommen war, hatte … das Turmkreuz ganz verbogen …“. Auch die Stiepeler Dorfkirche büßte indirekt durch den Treffer einer Luftmine ihren Turm ein. Winfried Schonefeld beschreibt in seiner „Geschichte eines Kirchspiels“, dass die Holzkonstruktion des Turmhelms stark beschädigt wurde, die Herbststürme nicht überstand und einstürzte, wobei auch das Dach des Kirchenschiffs erheblich beschädigt wurde. Darüber hinaus wurde die Bochumer Wasserversorgung durch zwei Treffer in den Hauptleitungen des Stiepeler Wasserwerks für mindestens einen Tag deutlich erschwert.

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Norden, Mai 1943

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Norden, Mai 1943

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Süden, Mai 1943

Kemnader Straße, kurz vor der Krockhausstraße, Blick nach Süden, Mai 1943

In Stiepel gab es bei diesem Luftangriff genau 14 Tote in vier Häusern. In besonders dramatischer Weise war ein Haus an der Kemnader Straße, kurz vor der Einmündung der Sandfuhrstraße, betroffen. Darin starben 9 (!) Personen, größtenteils aus einer Familie. Genau in jenem Bereich der Kemnader Straße, rund um die Kreuzung mit der Krockhaus- und Sandfuhrstraße, gab es, so die Erkenntnisse aus den Forschungen, die mit Abstand schwersten Schäden. Die von Anwohnern zur Verfügung gestellten Fotos zeigen die Zerstörungen genau in diesem Abschnitt der Kemnader Straße. Die übrigen drei Häuser mit Todesopfern lagen an der Hülsberg-, Henkenberg- und Galgenfeldstraße.

Die in Stiepel-Dorf errichtete große Flak-Stellung, die auf einem Luftbild in den Feldern zwischen dem Dorf und der Gibraltarstraße gut zu erkennen ist (roter Kreis), konnte den Angriff nicht verhindern.

Amerikanisches Luftbild 1945: Flak-Stellung Stiepel-Dorf, Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv

Amerikanisches Luftbild 1945: Flak-Stellung Stiepel-Dorf, Foto: Stadt Bochum, Bildarchiv

Spendenaufruf für das Pfingstblümchen

Der Neubau unseres „Pfingstblümchens“ (als Vortrags-, Ausstellungs- und Veranstaltungsgebäude) geht nun in die Zielgerade. Am 5. April wurden die notwendigen Außenarbeiten begonnen, dies sind Aushub- und Pflasterarbeiten sowie die Errichtung einer Stützmauer. Verwendet werden überwiegend gestiftete alte Bruchsteinplatten, veranschlagt ist eine Zeitspanne von vier Wochen. Trotz wohlwollender Kalkulation des beauftragten Unternehmens wird der Kostenumfang aufgrund der Vielzahl der erforderlichen Arbeitsstunden beträchtlich sein.

Deshalb bitten wir um Eure/Ihre Unterstützung in Form einer Spende auf unser Konto bei der Sparkasse Bochum:

DE38 4305 0001 0020 3057 77  (Spendenbescheinigung wird ausgestellt)

Nach anschließender Fertigstellung der Innenarbeiten wird eine Nutzung des Gebäudes ab Juli/August 2018 angestrebt. Wir bemühen uns sehr um die Fertigstellung unseres Pfingstblümchens und bedanken uns ganz herzlich für die Unterstützung!

Beginn Pfingstblume-Café

Am Sonntag, den 22. April 2018 startet die diesjährige Saison für das Pfingstblume-Café. Es ist bis zum 9. September 2018, dem Tag des offenen Denkmals, jeweils sonntags in der Zeit von 15 – 17 Uhr geöffnet. Es gibt leckere selbstgemachte Kuchen und Torten, sowie Kaffee, Tee und andere Getränke zu fairen Preisen. Es wird uns eine Freude sein, Dich ganz herzlich begrüßen zu dürfen!

Das Pfingstblume-Café im Garten des denkmalgeschützten Betriebsgebäudes

Das Pfingstblume-Café im Garten des denkmalgeschützten Betriebsgebäudes

Unterstützt unser Bürgerprojekt der Stadtwerke Bochum

Der Stiepeler Heimatverein nimmt am Sponsoring-Wettbewerb für das Bürgerprojekt “Wofür schlägt Dein Herz?” der Stadtwerke Bochum teil. Eine mögliche Zuwendung wollen wir für den Neubau des “Pfingstblümchens” verwenden, insbesondere für die jetzt anstehende Inneneinrichtung. Um zu gewinnen, brauchen wir eure Hilfe. Bitte stimmt online für unser Projekt ab! Hier der Link:

Projekt Pfingstblümchen

Unser Projekt läuft in der Kategorie Kultur (Projekt-Nr. 3635), Endspurt bis zum 29. Mai 2018!

von Hagen (Kemnader Straße 59)

Die genauen Anfänge der ehemaligen „Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen“ lassen sich nicht exakt rekonstruieren. Fest steht, dass Heinrich von Hagen (*1877) im Jahr 1911 zusammen mit seiner Frau Hulda, geb. Diergardt (*1878) an der seinerzeitigen Hauptstraße 29a, heute Kemnader Straße 65, ein Wohn- und Geschäftshaus mit zwei Ladenlokalen errichtet hat. Genehmigt wurde der Bau durch die Gemeinde Stiepel im Juni 1911, in den Steuerakten ist notiert „ … benutzbar seit Oktober 1911“. Zunächst betrieb Heinrich von Hagen dort eine Kolonialwarenhandlung. In den Jahren bis 1919 erwirbt er dann die Konzession für den Betrieb einer Gastwirtschaft, aber zunächst nicht für sein eigenes Haus. Es ist vielmehr überliefert, dass Heinrich von Hagen die Konzession für die Wirtschaft „Zur steilen Höh“ an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 12 erwarb. Er soll der letzte Konzessionsinhaber gewesen sein, bevor das Haus an den ersten in Stiepel niedergelassenen Arzt, Dr. Gerhard Gilbert, verkauft wurde Diese auf die Person des Gastwirts bezogene Konzession wurde dann benutzt, um in seinem Haus an der heutigen Kemnader Straße zusätzlich zum Lebensmittelgeschäft eine Gastwirtschaft zu eröffnen. Dies war der Beginn der „Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen“.

"Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen" 1930er Jahre

“Schenkwirtschaft Heinrich von Hagen” 1930er Jahre

Der Familienname „von Hagen“ findet sich auch in zwei Straßennamen wieder. Die heutige Sandfuhrstraße, die gegenüber der Krockhausstraße an der Kemnader Straße beginnt, war bis 1928 ein reiner Privatweg und wurde zunächst nach der dort ansässigen Familie „Hagenstraße“ benannt. Die Umbenennung in Sandfuhrstraße erfolgte im Zuge der Eingemeindung Stiepels nach Bochum im Jahr 1929. Heutzutage findet sich der Name in der im Jahr 2011 erstellten Straße Hagen-Hof-Weg wieder, die unmittelbar neben der ehemaligen Krockhaus-Villa von der Krockhausstraße abzweigt.

Das Haus von Heinrich von Hagen an der Kemnader Straße erhielt im Mai 1943 beim schwersten Luftangriff auf Stiepel einen Bombentreffer und wurde komplett zerstört. Dieses Schicksal ereilte übrigens zahlreiche Häuser entlang der Kemnader Straße, auch das unmittelbare rechte Nachbarhaus, das ebenfalls der Familie von Hagen gehörte.

Skizze 1911: links das neue, rechts das bereits vorher bestehende Haus der Familie von Hagen

Skizze 1911: links das neue, rechts das bereits vorher bestehende Haus der Familie von Hagen

Das Haus wurde nicht wieder aufgebaut, vielmehr hatten die von Hagens bereits vorher das unmittelbare linke Nachbarhaus von Familie Waskönig erworben, heute Kemnader Straße 59. Dort wurde unmittelbar nach Kriegsende die neue Wirtschaft eröffnet und vom Sohn Walter von Hagen (*1907) und seiner Frau Albertine, geb. Rumberg (*1914) bis zum Ende der 1960er Jahre betrieben. Nach einer kurzen Verpachtung wurde die Wirtschaft Anfang der 1970er Jahre geschlossen, die Räumlichkeiten wurden in eine Wohnung umgewandelt. Die Tochter Marianne, verheiratete Klein, (*1939) hat zwar immer im elterlichen Betrieb mitgearbeitet, die Wirtschaft aber nicht fortgeführt. Im Jahr 1968 hat sie ein Blumengeschäft im Haus eröffnet, welches noch heute unter dem Namen „Blumen Klein“ (Inhaber M. Wabbels) weitergeführt wird.

Mitgliederversammlung März 2018

Über die Jahreshaupt-/ Mitgliederversammlung vom 2. März 2018 lassen sich folgende Punkte kurz berichten:

Die Veranstaltungshighlights des vergangenen Jahres wurden zusammengefasst (Plattdeutscher Gottesdienst, Osterfeuer, Pfingstblume-Café, Apfelfest, Schlachtfest, Jahreskulturfahrt, usw.).

Vier Mitglieder des Vorstands wurden neu gewählt: 1. Vorsitzender: Wilhelm Haarmann, Stellvertretende  Vorsitzende: Gabi Klingelhöfer, 1. Kassierer: Heinz Schulte, 2. Schriftführer: Lutz Gollnick.

Bericht über die Bemühungen, den Abriss historischer Gebäude im Ortsteil zu verhindern (Beispiel: Alte Vikarie in Stiepel-Dorf).

Vorstellung des Diskussionsstandes mit dem Regionalverband Ruhr zum geplanten Ruhrtal-Radweg  und mit den Bochumer Stadtwerken zum Schleusenwärterhäuschen.

Bericht über die Bauarbeiten am Pfingstblümchen.

Fortsetzung der Kooperation mit Pro Stiepel e.V.: Stadtteil-Rundgang.

Informationen zur Homepage und zum Newsletter.

Wunsch nach stärkerer Beteiligung bei der Veranstaltung zum Volkstrauertag 2018 an der Stiepeler Dorfkirche.

Das Vorbereitungstreffen für das Pfingstblume-Café wurde terminiert: 3. April 2018 um 18:00 Uhr an der Pfingstblume.

Kleinzeche Haunert

Haunert

Haunert

Der Betrieb der  Mitte des 20.Jahrhunderts neu gegründeten  Kleinzeche Haunert war gewissermaßen eine Renaissance und ließ die Erinnerung an de  200 Jahre alten  Stollenbergbaues   im Friedrichstal wieder aufleben.

In den Anfängen des Kohlebergbaus unserer Gegend wurde die Kohle hauptsächlich in sogenannten Pingen d.h. von der Oberfläche her gegrabenen Kuhlen abgebaut. Anzeiger für ein Kohlevorkommen waren dabei nicht selten dunkle Maulwurfshaufen, die die zur Oberfläche weicher werdende Kohle anzeigten. Aber auch beim Ackerbau stieß man auf die an der Oberfläche ausbeißenden Flöze und konnte dann die Kohle leicht bis zu einer geringen Tiefe durch Abgraben abbauen. Hier war der Begriff Kohlen graben noch richtig. Der Abbau wurde dann in der Regel aufgegeben, wenn die Grube mit Wasser vollgelaufen war und das erforderlich werdende Wasserschöpfen nicht mehr lohnte.
Nicht selten fand sich in der Nähe die nächste günstige Gelegenheit, Kohle ohne größeren Einsatz von technischen Hilfsmitteln abzugraben.
Schwengelpumpen zur Entwässerung sind dabei wohl eher selten zum Einsatz gekommen.

Im Stiepeler Raum kommen die oberflächennäheren Flöze hauptsächlich in steiler oder halbsteiler Lagerung vor. Da Stiepels Landschaft durch relativ viele Täler und Abhänge geprägt ist, ging man spätestens im 17. Jhdt. zum Stollenbergbau über. Dieser hatte den Vorteil, dass der Zugang zur Kohle von der Hangseite her erfolgen konnte, die anstehende Kohle dann  bei leicht ansteigendem Gefälle der Stollensohle dem Flöz folgend abgebaut werden konnte und das anstehende Wasser dabei leicht über die Stollensohle abfloss. Diese Eigenschaft machten sich dann auch die Erbstollen zu nutze, deren hauptsächlicher Zweck die Aufnahme von Grubenwasser  und teilweise auch die Bewetterung höhergelegener Grubenbauten war.
Mit dieser Methode konnte aber nur Kohle abgebaut werden, die oberhalb der Stollensohle und des Stollenmundloches lagerte, so dass viele Stollen nach relativ kurzer Zeit mangels förderwürdiger und erreichbarer Kohle den Betrieb einstellen mussten.
Die Einführung der Dampfmaschine und der mit Dampfkraft betriebenen Pumpen erlaubte das Durchstoßen der Mergelschicht und die industrielle Kohlegewinnung im Tiefbauverfahren, die gleichzeitig den Anfang der Mitte des 19.Jhdts. einsetzenden rasanten Entwicklung des Ruhrgebietes zu der für Deutschland bis in die 50er Jahre wichtigsten Industrieregion bedeutete. Die Industrieregion des Rhein-/ Maingebietes erlangte ihre  Bedeutung erst zu einem späteren Zeitpunkt. Das Ruhrgebiet bildete mit seinen Industriebereichen Kohle, Stahl und Chemie lange Zeit das Herzstück der industriellen Produktion in Deutschland, wobei Stiepel seinen sehr bescheidenen Anteil geleistet hat. Das nachgewiesene und vermutete Rohstoffvorkommen an Kohle und Eisenstein auf Stiepeler Gebiet war wesentlicher Faktor bei der Entscheidung, die Henrichshütte auf  der gegenüberliegenden Ruhrseite auf dem Gelände des Hauses Bruch anzusiedeln.  Die zwei Jahre nach Inbetriebnahme der Produktion errichtete Kosterbrücke verdankt  ihren Bau der dringenden Forderung nach einem wirtschaftlichen und leistungsfähigen Rohstofftransport über die Ruhr, der mit einer Fähre auf Dauer nicht zu gewährleisten war. Zwar stand schon kurz nach Aufnahme der Produktion die Forderung nach einer Eisenbahnverbindung im Raum, aber die löste das Problem der Zulieferung Eisenstein von den der Henrichshütte gehörenden Felder Müsen IV – X und den Kohlezulieferungen aus dem Friedrichstal und dem Rauendahl  auch nicht und ging zudem wesentlich später in Betrieb. Heute gehört die Kosterbrücke neben der Kemnader Brücke zu den beiden wichtigen Bochumer Nord-Süd-Verbindungen, die  die Ruhr zum Ennepe-Ruhr-Kreis hin queren.

Beladung des Förderkübels unter Tage von Hand

Untertage © Stadtarchiv Bochum

Diese Entwicklung zur mechanisierten Förderung, der höher werdende Investitionsdruck, die zunehmende Nordwanderung der Kohlegewinnung und der damit wachsende Zwang zu äußerster Wirtschaftlichkeit führte schon Mitte der 20er Jahre des 20. Jhdts. dazu, dass selbst die beiden größten Stiepeler Zechen (Gibraltar und Carl Friedrich Erbstollen), die einen wesentlichen Anteil an den Steuereinnahmen der Gemeinde Stiepel leisteten, aus wirtschaftlichen Gründen ihren Betrieb einstellten und damit ein Loch in die Gemeindekasse rissen, dass den Herren der Gemeindevertretung den Schweiß auf die Stirn trieben
Die verbliebenen Bergbaubetriebe auf Stiepeler Gebiet befanden sich bis auf sehr wenige Ausnahmen in privater Hand und sicherten ihren Absatz teilweise mit Lieferverträgen mit größeren Unternehmen, wie z.B. der im Besitz der Familie Munkenbeck befindlichen Kleinzeche „Mitgottgewagt“, die vertraglich mit Haniel verbunden war.
Erst die enorme Kohlenachfrage nach dem zweiten Weltkrieg ließ wieder Kleinbetriebe, die sogenannten „Pütts eimerweise“, wie Pilze aus dem Boden schießen.
Zu Ihnen gehörte auch die Kleinzeche Haunert im Friedrichstal direkt am Beginn des alten Gahlenschen Kohlenweges und neben dem Malakowturm Brockhauser Tiefbau gelegen.
In unmittelbarer Nähe sind  die zu dem Zeitpunkt schon lange stillgelegten Zechen Preußisch Szepter, Friedrich, St. Georgen Oberstollen Maschinenschacht Carl Friedrich Erbstollen zu finden
Die Entwicklung des Zechensterbens endete in Stiepel dann 1967 mit der Schließung der Zeche Küper & Kaeseberg.

Auf einem von der GBAG (Gelsenkirchener Bergbau AG) gepachteten und der Zeche Friedliche Nachbar zugehörigen Feld nahm Bernhard Haunert, dessen Name der Betrieb später trug, 1946 die Förderung unter dem Namen „Westerbergstollen“ auf.
Die maximale Förderleistung ist im Jahre 1952 mit 17.132 to, also einer im Vergleich zu den seinerzeit in Betrieb befindlichen Großzechen  vernachlässigbaren Menge, verzeichnet.
Die Umbenennung der Zeche von Westerbergstollen in Haunert erfolgte dann im Jahre 1955. Die in der verbleibenden Betriebszeit erreichte jährliche Fördermenge betrug in der Spitze mit ca. 11.000 to gerade mal 2/3 der Rekordmenge des Jahres 1952.

Fördergerüst der Kleinzeche Haunert aus Holz

Kleinzeche Haunert © Stadtarchiv Bochum

Das Betreiben dieses Bergwerkes ist wohl ein deutliches Zeichen für die kriegsfolgenbedingte Energieknappheit und die dem Bedarf entsprechend unzureichenden verfügbaren Förderkapazitäten der Großzechen. Die neu entstandenen Kleinzechen allgemein halfen über einen gewissen Zeitraum den offenen Bedarf zu decken, hatten aber mit den relativ schnell wachsenden Fördermengen der großen Tiefbauanlagen im Ruhrgebiet und an der Saar   keine Zukunft.
So hatte mit dem in den 50er Jahren deutschlandweit verstärkt einsetzenden Zechensterben dann auch das Glöcklein für die Kleinzeche Haunert, gegründet als Westerbergstollen, geschlagen.
Die Schließung erfolgte endgültig am 31. Januar 1959.

Friedrichstal, Blick von NW auf Kohleverladung und Malakowturm im Hintergrung

Kohleverladung (verdeckt) © Stadtarchiv Bochum

Heute liegt die ehemalige Zeche Haunert im Grubenfeld der Zeche Prinzregent.

Eigentümerin des Grubenfeldes ist  die Rechtsnachfolgerin E.ON AG in Essen

Sieberei und Verladung Kleinzeche Haunert, 1957, Am Bliestollen

Sieberei und Verladung Kleinzeche Haunert, 1957 ©Stadtarchiv Bochum

Die oberirdische Fördereinrichtung der Kleinzeche (mit Fördergerüst und Haspelbude) wurde im Jahre 2017 auf Initiative des Knappenvereins Schlägel & Eisen, Bochum-Stiepel Dorf 1884 unter Leitung von Dr. Rainer Dickhut nach vorliegenden Fotos rekonstruiert, von Lehrlingen der Firma Deilmann Haniel nachgebaut und nahe des Malakowturmes Brockhauser Tiefbau errichtet.
Im Friedrichstal kann damit Bergbaugeschichte vom Stollenbetrieb auf Erz und Kohle bis zum beginnenden Tiefbau, eine typische Kleinzeche des Nachkriegsbergbaues sowie der Einsatz von Kohletransportmitteln (Pferdekraft, Dampfhaspel, Dampflokomotive, Kohlenwagen) und Transportwege anhand von Informationstafeln nachvollzogen werden.

Nachbau der Kleinzeche Haunert im Schnee, errichtet 2017

Nachbau der Kleinzeche Haunert, 2017 © Wilhelm Hensing

Quelle der betriebsspezifischen Daten: Bochumer Zechen, Manfred Bähr, 2012

Zur steilen Höh (Gräfin-Imma-Straße 12)

Viele der beschriebenen Gastwirtschaften haben sich unter anderem dadurch ausgezeichnet, dass sie über Generationen von ein und derselben Familie geführt wurden. Bei der Schankwirtschaft „ Zur steilen Höh “, die an der heutigen Gräfin-Imma-Straße 12 beheimatet war und nach 1919 die Praxisräume des ersten in Stiepel niedergelassenen Arztes waren, ist das genau andersherum. Es gab viele, nach jeweils kurzer Zeit wechselnde Eigentümerfamilien, von denen die meisten wohl nicht besonders erfolgreich waren. Doch der Reihe nach: Begonnen hat es mit dem Wirt Wilhelm Vohwinkel. Wann genau er sein Haus erbaut und den Betrieb der Gastwirtschaft begonnen hat, lässt sich nicht mehr exakt nachvollziehen. Es ist aber davon auszugehen, dass er das Grundstück bis spätestens 1869 als Teil des ehemaligen Kirchenwaldes, des sog. Pastoratsbusches, vom evangelischen Pastorat erworben hat. Wilhelm Vohwinkels Zeit als Wirt währte aber nur einige Jahre. Ein Eintrag in den Kirchenbüchern verrät uns, dass er im Jahr 1885 verstorben ist und eine Witwe sowie drei Kinder hinterlassen hat. Fortan führte die Witwe Vohwinkel die Gastwirtschaft. Im Jahr 1894 beantragte dann der Sohn, der Bergmann Wilhelm Vohwinkel junior bei der Gemeinde Stiepel, die Konzession für den Betrieb der Gastwirtschaft von seiner Mutter auf ihn zu übertragen. Durch diesen heute noch erhaltenen Konzessionsantrag können wir uns ein Bild von dem Gebäude machen. Wilhelm Vohwinkel junior beschreibt darin, dass die Wirtschaft das Vereinslokal für drei Vereine war (Militär-Verein Stiepel, Knappen-Verein Glück auf, Dilletanten-Verein Arion) und insbesondere einen Saal in der Größe von 387 Quadratmetern umfasste und (zu jener Zeit) „ … ein so großer Saal wie der unsere in Stiepel nicht vorhanden ist.“ Aufgrund der Lage fast genau im geografischen Mittelpunkt Stiepels wurde der Saal „ … stets zu Versammlungen bei Reichstagswahlen benutzt.“ Der Saal besaß eine Bühne und wurde später um eine Kegelhalle erweitert.

Straßenansicht 1894: links im Anbau der Eingang zum großen Saal, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Straßenansicht 1894: links im Anbau der Eingang zum großen Saal, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Die Konzession für den Bergmann Wilhelm Vohwinkel junior wurde im Mai 1894 erteilt. Seine Zeit als Wirt dauerte aber höchstens zehn Jahre, denn für das Jahr 1904 ist im Einwohnerverzeichnis der Wirt Friedrich Röder verzeichnet. Für die Jahre 1908/1909 lässt sich als nächster Wirt der Hauer Hugo Stollmann nachweisen. Aber auch dessen Zeit währte nicht lange. Ungefähr ab 1910 war Ewald Stracke als Eigentümer des Hauses der neue Wirt. Und genau in dieser Zeit passierte das Unglück, über das die Hattinger Zeitung  unter dem Datum 3.6.1912 berichtet: „In der Nacht zum Sonntag brannte die Wirtschaft des Herrn Stracke „Zur steilen Höh“ bis auf die Umfassungsmauern nieder. Der Besitzer und seine Frau waren nicht zu Hause, sondern auf einer Privatfeierlichkeit, als das Feuer zum Ausbruch kam. Die Löscharbeiten litten unter dem zu schwachen Wasserdruck. Nur ein kleiner Teil des Mobiliars konnte gerettet werden. Der Schaden ist durch Versicherung gedeckt.“

Grundriss 1894, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Grundriss 1894, Quelle: Stadtarchiv Bochum

Im September 1912 wurde der Bau eines neuen Hauses genehmigt und war -neben der katholischen Kirche- der Überlieferung nach das einzige Haus in Stiepel, das während des 1. Weltkrieges fertiggestellt wurde.

Sehr wahrscheinlich hat der 1. Weltkrieg aber dazu geführt, dass der Betrieb dieser Gastwirtschaft nicht mehr rentabel war. Es ist bekannt, dass sich so mancher Wirt während dieser Zeit nach einer weiteren Tätigkeit umsehen musste. Die Schulchronik der Schule in Stiepel-Dorf notiert im Jahr 1916: „Am meisten haben unter dem Einfluß des Krieges die Wirte zu leiden. Die Wirtschaften sind zum größten Teil fast immer leer … Manche Wirte haben, dem Druck des Krieges sich fügend, auf Zechen und Fabriken Beschäftigung gesucht.“ Daher überrascht es nicht, dass sich ab 1916 die Familie Hülsmann in Eickel (Brauerei) als Eigentümer nachweisen lässt. Es ist überliefert, dass der letzte Konzessionsinhaber für diese Gastwirtschaft Heinrich von Hagen war. Er soll die Konzession, die immer auf die Person des Wirtes bezogen war, genutzt haben, um eine neue Wirtschaft an der heutigen Kemnader Straße 65 zu begründen.

Das "neue" Haus vom Garten aus betrachtet, im Vordergrund Cornelia Gilbert, geb. zur Oven Krockhaus, mit den Kindern Renate und Gerd, 1931

Das “neue” Haus vom Garten aus betrachtet, im Vordergrund Cornelia Gilbert, geb. zur Oven Krockhaus, mit den Kindern Renate und Gerd, 1931

Das Haus an der Gräfin-Imma-Straße wurde dann von Dr. Gerhard Gilbert erworben, der sich am 1. Dezember 1919 als erster Arzt in Stiepel niederließ. Dies war möglich geworden, nachdem die Knappschaft ihm die Versorgung der in Stiepel wohnenden Bergleute übertragen hatte. Abgesehen vom Anbau einer Wagenhalle im Jahr 1924 ist das Haus in seiner äußeren Form seit der Fertigstellung unverändert. Dr. Gilbert betrieb dort bis 1956 seine Praxis, als Nachfolger übernahm Dr. Hans Rath das Haus, danach ließ sich Familie Harder mit zwei Arztpraxen nieder.